Tierisch gut leben …

20 Jul

… und sterben.

Ein interessanter Ansatz und ein Diskussionsbeitrag zum Thema Leben und Sterben von Nutztieren. Wenn wir Fleisch von Tieren essen wollen, müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie diese Tiere vorher leben sollen, und auch wie sie sterben sollen.

Wie weit dieser spezielle Ansatz tatsächlich allgemein realisierbar ist, sei zunächst mal dahingestellt. Vielleicht ist es aber möglich sich schon mal ein Stück weit auf den Weg zu machen.

Ich esse gerne Fleisch und Wurst, und dazu gehört, dass Tiere dafür sterben müssen. Als Kind habe ich etlichen Hausschlachtungen bei uns beigewohnt. Als Student habe ich das Sterben im Schlachthaus kennen gelernt. Vielleicht zu selten mache ich mir gelegentlich doch bewusst auf welche Art und Weise die Tiere, die ich esse, geschlachtet wurden. In meiner Kinderzeit war es so ähnlich wie im Trailer unten, und das war ganz anders und besser als im Schlachthaus. Vielleicht gibt es Möglichkeiten, sich wieder ein wenig in diese Richtung zu bewegen.

11 Antworten zu “Tierisch gut leben …”

  1. Ulf Hundeiker 20. Juli 2011 um 15:42 #

    Ich meine auch, wer wie wir Fleisch essen will, sollte sich damit auseinandersetzen. Vielleicht sollte man prinzipiell auch bereit sein, es selbst zu töten?

    Überlegt habe ich das schon oft. Bislang ohne Ergebnis.

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    • drkall 20. Juli 2011 um 15:50 #

      Vielleicht ist es ein Ansatz, zunächst einmal beim Töten eins Nutztiers dabei zu sein.

      Ich habe als Kind (so zwischen 7 und 14 Jahren) etliche Hausschlachtungen (von Schweinen) hautnah erlebt und die Tiere zwar nicht selbst getötet, war aber dabei und habe an fast allen Stufen der Verarbeitung mitgewirkt, vom Zerteilen des Tiers, bis zum Kochen der Blut- und Leberwürste und zum Füllen der Därme, die zur „ahlen Worscht“ werden sollten.

      Das hatte ganz und gar nichts Brutales, obwohl es eben auch eine blutige Sache war. Die ahle Worscht habe ich genossen und tue das heute noch. Die Beziehung war irgendwie doch eine andere, als die zur Aldi-Salami, wie anders kann ich schlecht beschreiben.

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  2. Wolfram 20. Juli 2011 um 16:52 #

    Der nette Opa Schweisfurth, der da erzählt, der hat sein Geld aber auch anders verdient – der hat nämlich die Firma herta aufgebaut. Zugegeben, er hat sie vor langer Zeit verkauft und sich bekehrt.

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    • drkall 20. Juli 2011 um 16:57 #

      Ich weiß, vom Saulus zum Paulus 😉

      Aber es ist nie zu spät, Dinge einzusehen, wie ich auch mit 55 noch lernen durfte.

      Natürlich ist sein Konzept reichlich extrem. Oft bedarf es eines etwas extremeren Konzepts, um bei einem halbwegs wünschenswerten Ergebnis zu landen.

      Und ja, ich esse heute auch Aldi-Zeugs, aus rein wirtschaftlicher Notwendigkeit. Wenn es aber geht, hole ich mir ab und an auch mal was aus meiner Heimat, von Schweinen, die ein Jahr oder länger Zeit hatten ohne Schnellmastfutter und unter guten Bedigungen groß und schwer zu werden, und die lokal geschlachtet wurden. Oder ich kaufe hin und wieder mal bei einem Direktvermarkter. Und täglich Fleisch muss ja auch nicht sein.

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  3. Sue 22. Juli 2011 um 13:53 #

    Letztendlich sollte schon alleine aufgrund der Anzahl Menschen die heute ernährt werden müssen, generell über Ernährung neu nachgedacht werden.
    Unser Leben hat sich in den letzten 50 Jahren stark geändert, die Ernährung nicht. Unsere Ernährung ist nicht zeitgemäss, nicht unserer Lebensweise angepasst und schon gar nicht gesund.
    Heute enthält Obst und Gemüse nicht mehr gleichen Mengen an Vitaminen und Mineralien wie vor Jahren, Fleisch wird viel zuviel verzehrt, bei Fisch müßte man auch sehr genau darauf achten welche Sorten und wie geangelt/hergestellt……
    Eigentlich kann man auch hier alles nur falsch machen.
    Wer hat eigentlich überhaupt noch Zeit, beim Einkaufen alles gründlich zu hinterfragen, sämtliche Angaben zu lesen und sich nebenher auch noch grundlegende Gedanken zu diesem Thema zu machen ? Nachhaltig, Öko, Bio, Fair, …. schöne Schlagwörter

    lieben Gruss sue

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  4. Schnettel 24. Juli 2011 um 11:13 #

    Ich habe Hausschlachtungen in den 1960-er Jahren als Kleinkind erlebt. Das Tier hat ein Tag vorher kein Futter bekommen. Sozu sagen, damit es nüchtern ist. Am nächsten Tag wurde es aus dem Stall geführt und betäubt mittels einem mechanischem Schlag auf die Stirn (mit einem Hammer?). Dann wurde das Schwein abgestochen und kopfüber aufgehengt. Das alleine war schon brutal. Ich kann mich erinnern, dass die zu schlachtenden Schweine furchtbar geschrieen haben. Ich glaube die Tiere haben gespürt, was ihnen wiederfahren wird. Das sind ja eigentlich sehr intelligente Tiere. Mit meinem Cousin habe ich mich immer unter ganz vielen Kissen in der Wohnung eingegraben, damit wir das schreien nicht hören. Es war dann aber auch immer ein großes Familienfest. An die leckere Grützwurst erinnere ich mich heute noch gerne.

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    • drkall 24. Juli 2011 um 11:46 #

      Meine Erfahrungen diesbezüglich stammen auch aus den 60ern (und den frühen 70ern).
      Natürlich haben die Schweine auch gequiekt, sie werden nicht alle freiwillig aus den Transportstiegen gekommen sein, in denen der Bauer die Tiere brachte. Aber es waren eben kurze Transportwege und die Metzger, die schlachteten (jedenfalls die, die bei uns schlachteten) waren bemüht, den Stress vor dem Bolzenschuss gering zu halten. Kopfüber aufgehängt wurden die Tiere erst nach ihrem Tod.
      Ein Tier zu töten ist immer mit Gewalt verbunden, wie sollte es auch anders gehen, nur müssen wir das in Kauf nehmen, wenn wir Wurst und Fleisch essen wollen, oder es konsequent sein lassen. Diese Hausschlachtung war aber von meinem Erleben her sehr deutlich unterschieden von dem, was ich Jahre später im Schlachthof gesehen habe. Dort wurden über lange Strecken antransportiert, Gruppen von Tieren, die sich nicht kannten, vom LKW getrieben, ggf. auch runtergeschubst, was auch mit Verletzungen verbunden sein konnte. Im Akkord wurde geschlachtet, nicht alle Tiere waren vollständig betäubt, hin und wieder auch mal eines gar nicht …

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      • Schnettel 24. Juli 2011 um 16:47 #

        @ drkall Also war es bei dir damals doch auch brutal. Aber es stimmt schon, ich möchte nicht wissen, wie das ganze auf einem Schlachthof erfolgt. Ich habe diese Hausschlachtungen auch auf dem Bauernhof meiner Großeltern erlebt, wie Sunny geschrieben hat. Was ich heute noch nicht gedanklich vereinbaren kann, ist das meine Großeltern gleichzeitig sehr sehr tierlieb waren.

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        • drkall 24. Juli 2011 um 17:22 #

          Gewalttätig ja, brutal nein, auch im Nachherein nicht, brutal war die Schlachtung im Schlachthof. Ich denke, es ist möglich Achtung vor der Kreatur zu haben und trotzdem bereit zu sein, Tiere zu töten. Vorausgesetzt ich bin prinzipiell mit dem Töten von Tieren zum Verzehr von Fleisch einverstanden, kann ich diese Art von Schlachtung akzeptieren. Das heißt nicht, dass ich mir ohne weiteres vorstellen könnte, das selbst zu tun, im Notfall aber durchaus.

          Ich habe auf einer Urlaubsreise mal eine Forelle töten müssen, die einer meiner beiden Begleiter geangelt hatte aber zu feige war, das Tier, das am Haken zappelte zu erlösen. Initiatoren der Angelaktion waren überigens meine Begleiter und nicht ich. Ich habe das Tier anschließend, mit wenig Appetit zwar, auch gegessen, weil ich das Wegwerfen des einmal umgebrachten Tieres schon gar nicht mit meinem Gewissen vereinbart hätte.

          Ich traue mir auch durchaus zu, in einer Hungersituation auch ein Tier, notfalls auch ein Schwein, zu schlachten. Trotzdem will ich kein Metzger sein.

          Wenn ich mir das absolut nicht vorstellen könnte, müsste ich konsequenterweise auf den Verzehr von Fleisch und Wurst verzichten, was ich übrigens nach der Schlachthoferfahrung auch eine Weile getan habe. Genauso müsste ich übrigens dann auf den Verzehr von Fisch verzichten. Nur weil es noch weiter weg passiert, ist das Schlachten der Fische nicht weniger real.

          Ich akzeptiere und achte jeden, der aus ethischen Gründen auf den Verzehr von Fleisch und/oder Fisch verzichtet, konsequenterweise sollte er dann eigentlich aber auch keine Raubtiere wie Katzen und Hunde halten, die ebenfalls mit tierischer Nahrung gefüttert werden müssen, und deren Futter letztlich aus den gleichen Schlachtungen stammt wie die Wurst aus dem Supermarkt. Ohne Fleischproduktion kein Haustierfutter.

          Ich für mein Teil esse und genieße bewusst auch Fleisch, wenn auch in Maßen. Wenn sich das evtl. mit einer Teirhaltung und einer Art von Schlachtung vereinbaren lässt, die etwas mehr Achtung vor dem Lebewesen zeigt, auch wenn es letztlich auch getötet werden muss, dann finde ich das zunächst mal gut. Soweit ich das von meinen regionalen und wirtschaftlichen Möglichkeiten her unterstützen kann, werde ich das auch tun.

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          • Schnettel 24. Juli 2011 um 17:45 #

            @ drkall: Ich esse auch nach wie vor Fleisch, in jeglicher Variation, außer von Kaninchen. Bei meinen Großeltern war es aber auch geradezu ein Seegen, dass sie während und nach der Kriegszeit Tiere gehalten haben. Meine Mutter und ihre Geschwister mussten nie Hunger leiden, so wie es viele Städter tun mussten. Das wäre dann die von dir beschriebene Notsituation.

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  5. dreamsandme 24. Juli 2011 um 14:02 #

    Tiertransport, Tierleid, konzentrierte Todesangst (Adrenalin) im Fleisch…das sind die Gründe, warum mein Fleischkonsum immer mehr abgenommen hat. Vor vielen Jahren hörte ich auf Rind und Schwein zu essen, kurze Zeit später aß ich auch kein „weißes Fleisch“ mehr, nurmehr hin und wieder Fisch.
    Nach meiner Erkrankung versuchte ich mich ausgewogener zu ernähren und nahm Huhn wieder in meine Ernährung auf. Aber ich fühle mich überhaupt nicht wohl dabei… 😦

    Meine Großeltern hatten einen Bauernhof, diese Abschlachtungen so wie von Schnettel beschrieben, erlebte ich auch viele Jahre hautnah mit. Wir Kinder „durften“ dann die Gedärme auswaschen für die Würste. Naja, diverse Gerüche und Erlebnisse vergisst man (leider) nie.

    Lg
    Sunny

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