Es war einmal

1 Okt

ein junger Biologiestudent,  Mitte der 70er, der ständig bei irgendwelchen Verkehrskontrollen in der Nähe des Bonner Regierungsviertels angehalten wurde.

Ich poste das mal hier, weil ich das Foto grad vorgestern woanders hochgeladen hab und ungeahnte Reaktionen erhalten hab. Und außerdem hab ich grad bei Jenneke über lange Haare gelesen, natürlich in einem ganz anderen Zusammenhang.

Aber die Haare haben mir damals sehr viel bedeutet. Auch heute habe ich hin und wieder lage Haare, nicht ganz so lang wie damals. Richtig lang waren sie zuletzt zu Beginn meiner Reha, ich hatte sie ein Jahr lang seit der Radiojodtherapie, die die letzten Schilddrüsen- und Tumorzellen vernichten sollte, wachsen lassen. Dort auf Föhr habe ich mich dann von ihnen getrennt, wie ich mich auch endgültig von dem kleinen schmetterlingsförmigen Organ in meinem Hals verabschiedet habe, das ich schon über ein Jahr garnicht mehr besaß, und das vorher meinen Kreislauf, meinen Hunger, meine Müdigkeit, meine Stimmung und manches andere maßgeblich mit beeinflusst und reguliert hatte. Ich komme jetzt ohne es aus und hab den Schmetterling dort in Stein gemeißelt, mit nach Hause genommen und ins Regal gestellt.

Die Geschichte mit den Haaren und der Reha hatte ich schon länger im Kopf. Ich bin mir nicht sicher, ob es was zu bedeuten hat oder Zufall war. Letzteres glaube ich eigentlich nicht.

Was das alles mit meinen alten langen Haaren zu tun hat, weiß ich nicht, es fiel mir grad so ein, angeregt durch Jenneke, Danke dafür.  Hier nun in voller Pracht jung und, ähm schön(?).

Führerscheinbild aus den 70ern

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15 Antworten to “Es war einmal”

  1. Big Al 1. Oktober 2011 um 23:53 #

    Der Blick war wohl schon immer etwas melancholisch…

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  2. ulf_der_freak 1. Oktober 2011 um 23:54 #

    Du erinnerst mich an jemanden, der genauso in blond und rundlicher war. Let it grow, let it grow, let it grow… (oder hieß es „snow“?)

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  3. Sue 2. Oktober 2011 um 01:32 #

    Bei Frauen bedeutet eine völlig neue Frisur (oder Haarfarbe), manchmal auch ein neuer Abschnitt und ist sozusagen das äußerliche Zeichen für innere Veränderung. Aber manchmal hat es auch ganz einfach nur praktische Gründe 😉
    Es gibt ja bei beiden Geschlechtern ganz unterschiedliche Gewichtung. Manchen ist die Haarpracht völlig egal und Andere definieren sich darüber. Mir selbst war das nie sehr wichtig und der Haarverlust durch die Chemo war für mich nicht wirklich schlimm. Ich hab mich dann einfach zur Glatze passend (so in Richtung Punker) gekleidet und fertig war die Laube. Perücken habe ich nur ab und an mal aus Jux getragen um meine Umwelt zu irritieren *gg* Ich habe immer lieber bescheuert, freakig oder durchgeknallt ausgesehen, als krank und das ist mir auch gelungen.

    Ich wünsche noch ein schönes verlängertes Wochenende
    Gruss sue

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    • Carpe tempus! 2. Oktober 2011 um 10:20 #

      Liebe Sue, das finde ich echt beeindruckend. So ganz ohne? Das habe ich mich dann doch nicht getraut. Ich hatte allerdings auch keine Perücke auf, ich habe immer Piratentuch getragen 🙂 Es gibt allerdings aus der Zeit recht wenig Bilder, als ob meine Familie Angst gehabt hätte, das irgendwie festzuhalten … Perücke habe ich nur einmal aufgehabt und bereue das auch. Aber das ist eine andere Sache …
      Liebe Grüße! Jenneke

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  4. Carpe tempus! 2. Oktober 2011 um 10:18 #

    Liebe Karl, ich glaube auch nicht, dass das Zufall war. Manchmal merkt man das zwar erst hinterher, dass es etwas zu sagen hatte, aber grundlos so etwas aufzugeben tut man wohl nicht.
    Ich schätze, ich habe auch dieses Jahr gebraucht, mich von dieser „lange Haare = gesund“-Schiene zu lösen. Und jetzt sind dann, wie Sue schreibt, die praktischen Erwägungen wichtiger. Mal abgesehen davon, dass es besser aussieht 😉
    Das Bild von Dir ist klasse. Melancholisch, ein bisschen widerspenstig, nicht konform. Ich find’s cool! Heutzutage hättest Du aber wohl das Problem, als Terrorist angesehen zu werden 😦
    Liebe Grüße von Jenneke

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    • drkall 2. Oktober 2011 um 22:40 #

      Liebe Jeneke,
      ja ich ginge wohl heute als potentieller Islamist damit durch. Aber das Problem, der Obrigkeit in Form von jungen, ängstlichen Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag (eine Kombination, die mir wiederum Angst machte) für zumindest nicht ganz unverdächtig gehalten zu werden, hatte ich bereits damals. Ich habe das nie ganz verstanden, weil doch die damaligen Terroristen (RAF) durchweg viel ordentlicher und unauffälliger aussahen und in der Regel nicht in roten Kastenenten unterwegs waren. Meine damalige Haartracht hatte in der Tat etwas mit einer gewissen Nonkonformatlität zu tun.

      Vielleicht hatten die langen Haare vor meiner Reha auch damit zu tun, dass ich mit dem Geschehen in meinem Hals zu der Zeit zwar rational aber eben in meinem tiefen Inneren doch noch nicht im Reinen war. In dieser Beziehung bin ich anders aus der Reha nach Hause gefahren, als ich dort angekommen war

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  5. smillaswelt 3. Oktober 2011 um 16:39 #

    Nach meiner Kastanienzeit kam meine „Biologenzeit“ und ich muss sagen, dass ich völlig erstaunt über deren Forscherdrang war. Mein Dr. rer. nat. war Mikrobiologe, ich weiß nicht ob das für alle gilt, so wild war meine Studentenzeit- doch war sie, aber ich habe nicht die anderen Biologen ausprobiert. 🙂 Zeitmangel. 🙂

    Auf dem Foto siehst Du sehr melancholisch aus, was mich aber viel mehr neugierig macht ist diese Beule auf der Stirn. Neben mir im Hörsaal saß mal einer, der hatte auch so eine, an genau der gleichen Stelle, weil er sich nach seiner Tasche bückt hatte und wieder hochkam und ich im gleichen Moment meinen Tisch runterklappte….sah mörderisch aus. 😉

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    • drkall 3. Oktober 2011 um 22:22 #

      Die Beule war ein verkapseltes Adenom und zierte mich von Kindheit an (ich glaube, ich habe es so mit ca. 4 Jahren nach einem Wespenstich an dieser Stelle erworben) bis einige Zeit nach diesem Foto, als ich endlich den Weg zum Chirurgen einschlug, der das dann sehr elegant entfernte.

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      • Smilla 3. Oktober 2011 um 23:44 #

        Ich habe noch nie davon gehört. Hat es denn nie geschmerzt? Ich weiß, ich bekomme den Preis fürs Fettnäpfchen des Tages und den für blöde Fragen vermutlich gratis dazu, aber ich gestehe zu denen zu gehören, die bei einem Fibrömchen schon zum Arzt rennen und es weglasern lassen.

        Warum geht ein Mann damit nicht zum Doc? Auch wenn die Frisur leger wirken mag, lassen Kleidung und der sauber abgrenzte Schnurbart und „Kinnbart“ (dieser schmal Streifen…) auf eine gewisse Eitelkeit schließen.

        Und wo ich doch schon so ins Fettnäpfchen gerannt bin: ich habe vor kurzem erfahren, dass eine Nachbarin an einer Leberentzündung erkrankt ist. Ich habe die übermittelnde Person tatsächlich die Frage gestellt: „wie kommt man denn zu sowas?“ Ausgesprochen erinnerte es mich an einen Artikel bei Dir und ich mußte lange darüber nachdenken. Ich hatte in dem Moment keine Angst davor, mir ebenso eine Krankheit einzuhandeln, sondern es war die reelle Frage, wie man zu so was kommt. Bei ihr war es eine Überdosierung von Medikamenten- das hätte ich auch nie gewußt oder geahnt. Die Frau- sehr jung nebenbei- hatte Rückenschmerzen und starke Medikamente bekommen. sie ist zum Glück wieder daheim und es geht ihr gut.

        Nicht jeder der „blöde“ Fragen stellt, meint es bös´oder denkt an sich. Meist ist das Gegenteil der Fall.

        Es kann auch echtes Interesse dahinterstecken.

        Liebe Grüße Smilla

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        • drkall 4. Oktober 2011 um 00:39 #

          Nö, weh tut das nicht, und völlig harmlos ist es auch. Eine vom Stich verstopfte Talgdrüse eben, die sich entzündet hatte und sich irgendwann abgekapselt hat und danach noch ein bisschen gewachsen ist. Nach einigen traumatischen Erfahrungen in früher Kindheit, hatte ich zum einen tierischen Respekt, um nicht zu sagen die Hose gestrichen voll, vor Leuten, die mit scharfen oder spitzen Gegenständen auf mich zukamen, besonders am Kopf. Zum anderen, hat man es mir einfach zu oft in meiner Kindeheit und Jugend nahegelegt, das Ding endlich wegschneiden zu lassen, und da kann ich ziemlich stur sein…

          Allerdings gehe ich mittlerweile recht gelassen mit Spritzengebern, Blutabnehmern, Zahnärzten, Chirurgen etc. um, hat aber auch lange genug gedauert 😉

          Und was die Fettnäpchen anbetrifft, so will ich garnicht behaupten, dass _alle_ solche Fragen insgeheim dem Wunsch entspringen doch bitte eine Antwort zu hören, die einem selbst Sicherheit vor der Krankheit suggeriert, aber ich habe es eben öfter so erfahren bzw. empfunden, und ich glaube auch gar nicht, dass das bewusst gemacht wird. Mich persönlich stört es auch wenig, wenn mich jemand _ernsthaft_ danach fragt, was es denn z.B. für Risikofaktoren gibt. Das ist auch ein Unterschied zu der Frage, wie man denn „sowas“ bekommt, weil diese Frage konkret auf eine Person bezogen niemand beantworten kann. Nur wenn dann so Dinge wie „Hätte man nicht dies oder jenes essen / nicht essen können“ oder die berühmte Krebspersönlichkeit ins Spiel kommen, reagiere ich schon mal allergisch.

          Mehr als die Frage, wodurch man „sowas“ kriegt, interessiert mich selbst naturgemäß eher, wie man’s wieder los wird, und wie man dafür sorgen kann, dass es möglichst auch dabei bleibt..

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          • Smilla 4. Oktober 2011 um 17:55 #

            Ich erinnere mich an meine Kindheit, da wurde einem ein loch im kopf, verursacht durch einen Stein im Schneeball oder ein Hundebiss in der Stirn mit Stichen genäht, die heute jeden erschaudern lassen und natürlich ohne Betäubung. Man konnte ja schreien, aber ich war immer ganz mucksmäuschenstill dabei. Man hatte ja auch keine Möglichkeit abzuhauen, man war ja bei der Schwester im Schwitzkasten. Unangenehm war da eine Dornwarze unter der Ferse- bis heute unvergessen…Mit Knochenbrüchen im zweistelligen Bereich (nacheinander) mag ich auch nicht gerade die Weißkittel, aber sie haben immer geholfen und haben ihr Bestes gegeben. Aber als x Chromosom Träger geht man damit glaube ich anders um, oder wird dahingehend erzogen. Wenn ich nur an die obligatorischen Ohrlöcher denke, gerade heißes Thema hier…

            Ich muss mich korrigieren…

            „, weil diese Frage konkret auf eine Person bezogen niemand beantworten kann.“

            Damit kommt ein ganz neuer Aspekt auf. Bei der Leberentzündung war das möglich, bei Krebs ist das nicht möglich.

            Ich habe meinen Doc damals gefragt, warum eine sich einistende Eizelle Krebs sein kann (Chorionkarzinom). Er meinte lediglich, Zellen seien zu Beginn omnipotent. Auf so eine Form wäre ich auch mit reichlich Phantasie nicht gekommen. Warum das nun im Detail so passiert- wenn man das wüßte… Von dieser Art Krebs hatte ich zuvor aber auch noch nie gehört, ich fand das auch reichlich suspekt.

            Thema Ernährung oder wie man Krebs/Krankheiten verhindern kann oder es wieder los wird, durch eigene „Lebensführung“.

            Da muss man dran glauben und man muss dann so leben mögen.

            Ich denke ja, dass der Körper schon selbst versucht und Ordnung zu bleiben und wieder in Ordnung zu kommen. Manchmal bedarf es der Unterstützung der Schulmedizin, aber dann wieder auf Linie gekommen, kommt er schon selbst zurecht.

            Ich glaube in der Hinsicht nicht, ich glaube auch nicht an Strafung/Prüfung durch eine religiöses Wesen. Oder an Verschonung, wenn man ja ein guter Mensch ist im Sinne welcher Religion auch immer.

            Warum einige Menschen Weißkittelerfahrung ohne Ende haben und einige noch nie eine Klinik von innen gesehen haben- das verstehe ich auch nicht.

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  6. smillaswelt 3. Oktober 2011 um 16:43 #

    Ach und zum Thema kurz oder lang: wie´s´gerade kommt, bei mir wechselt neben der Länge auch immer die Haarfarbe. Gerade bin ich langhaarig und dunkelbraun, vorher blond und mittellang, das irritiert die Leute, aber ich habe immer noch den gleichen Partner und auch sonst keine „Schnitte“. Wenn ich mich austoben bzw wieder erden will, gehe ich in den Garten…

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  7. smillaswelt 3. Oktober 2011 um 16:43 #

    oder Baumarkt. 🙂

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  8. katerwolf 5. Oktober 2011 um 11:34 #

    es hat was von che guevara, ja, doch 😉

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  1. Kall's Einwürfe - 14. Februar 2012

    […] Harre sind derzeit lang, sehr lang also sozusagen haargummigeeignet. So etwa fast die Länge wie damals […]

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