Spätfolgen

4 Feb

Sunny hat einen Bericht gefunden, dass anders als anderswo  als „geheilt“ angesehene Krebspatienten bei uns mehr oder weniger allein gelassen werden, obwohl viele von Ihnen mit Spätfolgen der Therapie belastet sind.

Bei Schilddrüsenkrebspatienten betrifft dies in erster Linie die Folgen der jahrelangen (bisweilen lebenslangen) TSH-Supression wie kardiologische Probleme und Osteoporose. Daneben sind es die Folgen von relativ häufigen OP-Komplikationen wie Hypoparathreoidismus (Störungen des Calciumstoffwechsels durch Nebenschildrüsenunterunktion wg. bei der OP entfernter oder zerstörter Nebenschilddrüsen) und Recurrensparesen (Stimmbandlähmungen wegen Beschädigungen des N. recurrens), die diese Patienten belasten. Bei den SD-Krebspatienten wird wegen der auch noch sehr spät möglichen Rezidive zwar lebenslange Nachsorge betrieben, aber nicht alle Nachsorgeärzte wissen um die Langzeitfolgen oder nehmen sie ernst.

6 Antworten zu “Spätfolgen”

  1. Sue 4. Februar 2012 um 14:34 #

    Hallo Karl,

    wird bei SD-Patienten zur Vorbeugung, bzw. Behandlung von Osteoporose eigentlich kein Bisphosphonat verwendet ? Wie man bei mir im Szintigramm sehen konnte, hat das Zeug wirklich einen superguten Einfluss auf den Knochenstoffwechsel und sorgt für einen tollen Calciumeinbau.
    Bei BK ist eine Bisphosphonattherapie kurz vor der Übernahme als allgemeiner Standard, mit unterschiedlichen Dosierungen, je nach Krankheitsbild. Entweder als Vorbeugung oder als Behandlung.

    lieben gruss sue

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    • Karl 4. Februar 2012 um 19:48 #

      Hallo Sue,

      soweit mir bekannt wurde das bisher bei uns nur bei schon bestehender Osteoporose und nicht als Prophylaxe angewandt. Man hat wohl auch etwas Angst vor den Nebenwirkungen. Aber vielleicht sollte man das mit den Endokrinologen und Nuklearmedizinern mal diskutieren.

      Wenn ich mir den Steinbruch betrachte, der in meinem Mund herrscht 😉 , hätte ich evtl. auch Bedenken. Wenn man das so sanieren will, dass keine oder nur geringe Gefahr von Nekrosen besteht, blieben vermutlich nicht viele Zähne übrig, zumal die Speichelproduktion durch die Folgen der Radiojodtherapie eingeschränkt ist und sich dadurch der Verfall meines Gebisses trotz aller Gegenmaßnahmen rapide beschleunigt hat und deshalb ständig neue Eingriffe im Mund drohen, was mit einer Bisphosphonatbehandlung nur bedingt kompatibel ist.

      Ich selbst versuche zur Zeit erstmal nur den Vit. D Mangel auszugleichen.

      Bei Knochenmetastasen, die auch bei uns hin und wieder vorkommen (dann aber meist mit schlechter Prognose), sind Bisphosphonate schon ein Thema.

      liebe Grüße
      karl

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      • Sue 4. Februar 2012 um 21:16 #

        Hallo Karl,

        so weit ich weiß, ist das Risiko der Kierfernkrosen bei der geringeren Dosierung als Prophylaxe, so gut wie nicht vorhanden. Es ist auch bei BK noch nicht Standard, aber es soll schnell in die Standards auch zur Prophylaxe aufgenommen werden.

        gruss sue

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        • dreamsandme 7. Februar 2012 um 22:09 #

          In der ABCSG-12-Studie (6 Infusionen 4 mg Zometa halbjährlich) gab es bis jetzt zum Glück keinen einzigen Fall von Kiefernekrose.

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  2. Karl 7. Februar 2012 um 22:25 #

    Danke für Eure Hinweise. Vielleicht sollte man das doch mal ernsthafter andiskutieren. Wenn eine Prophylaxe tatsächlich ohne weitere Risiken möglich ist, wäre das vielleicht zumindest für die high-risk Patienten unter uns eine Option, weil diese am längsten und am strengsten TSH-supprimiert sein müssen und so einer künstlichen Überfunktionssituation ausgesetzt sind. Das dürfte besonders dann gelten, wenn sie auch in anderer Hinsicht (weiblich, familiäres Risiko, Alter etc.) weitere Risikofaktoren für Osteoporose haben.

    Da bei mir noch evtl. ein sekundärer Hyperparathyreodismus mit (substituiertem) Vit. D-Mangel im Raume steht, werde ich mich anlässlich der nächsten Nachsorge Ende des Monats mal mit meiner Nuklearmedizinerin und Nachsorgeärztin über dieses Thema unterhalten, die auch endokrinologisch kompetent und interessiert und Vorschlägen gegenüber recht aufgeschlossen ist.

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  3. smallmoni 13. Februar 2012 um 14:21 #

    Tja, und immer noch wird von „Luxuskrebs“ gesprochen. Möchte mal wissen, für wen Krebserkrankungen Luxus sind??

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