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Titelsucht auch im Spiegel

11 Mär

Dass die BILD unter einer solchen leidet, ist ja weithin bekannt. Meist ist der Titel einer Meldung das einzig aufregende daran.

Leider setzt sich das auch immer mehr bei den „seriösen“ Medien durch, was mir zunehmend auf den Geist geht, so eben grad im Spiegel, der da titelt:

„Mediziner wagen Gehirnoperationen an wachen Patienten“

Das klingt zunächst mal spektakulär, hat aber nur am Rande was mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun, bei dem es um Tiefenhirnstimulation und deren Sinn und Unsinn geht.

„Wagen“ ist ein starkes Wort und klingt nach Risiko und Innovation, was in diesem Falle beides Blödsinn ist, da 1. Das Risiko einer Hirn-OP am wachen Patienten eher geringer ist als das bei einer OP am bewusstlosen Patienten und 2. es schon lange Stand der Technik ist, invasive Eingriffe am Hirn wenn möglich beim wachen Patienten durchzuführen und keineswegs neu. Es ist zwar eine etwas gruselige Vorstellung und für viele betroffene Patienten auch sicher nicht besonders angenehm, aber doch eine recht sinnvolle und oft praktizierte Maßnahme.

Mal abgesehen davon, dass der Titel lediglich spektakulär klingt, seinem Inhalt nach aber gar nicht ist, finde ich das langsam bedenklich, dass immer mehr versucht wird, Leser über Titel zu ködern, bei denen sich herausstellt, dass sie mit dem eigentlichen Inhalt des zugrundliegenden Artikels nicht viel zu tun haben. Ich wähle das, was ich lesen möchte, auch immer noch nach dem Titel aus und mag einfach nicht veralbert werden. Wenn ich etwas über Tiefenhirnstimulation lesen will, dann sollte sich das im Titel andeuten. Das gilt besonders für Themen, bei denen ich in erster Linie Sachinformationen erwarte. Wenn es eher um Meinungen oder „Belletristik“ geht, dann bin ich eher bereit solche „kreative“ Titelfindung zu akzeptieren oder vielleicht sogar gut zu finden.