Patienten ins Tumorboard?

30 Apr

Sunny hat auf diesen interessanten Artikel hingewiesen. Anders als der Titel zunächst vermuten lässt, geht es nicht nur um Zweitmeinungen sondern überhaupt um Qualitätsmanagement und -sicherung insbesondere bei der Diagnose und Therapiefindung bei Krebserkrankungen.

Erstaunlich hoch finde ich die Quote an Änderungen der Therapieempfehlung, wenn eine qualifizierte Zweitmeinung eingeholt wird.

Am interessantesten an dem Artikel erscheint mir die  angesprochene Praxis mancher Tumorboards auch betroffene Patienten zur Teilnahme einzuladen:

„Ob der Patient eine bestimmte Therapie ablehnt, könne nur mit dem Patienten zusammen abgeklärt werden. Manche Tumorboards organisieren genau das: die Teilnahme des Patienten oder zumindest des behandelnden Arztes. Manchen Spezialisten behagt das zwar nicht, weil sie den Kontakt zum Patienten oft gar nicht gewohnt sind, …“

Leider wird nicht erwähnt, wie viele und welche Tumorboards das sind. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Vorstellung nicht jedem Arzt behagt, andererseits wird es vermutlich für den Patienten einfacher sein, einen Therapievorschlag zu akzeptieren, wenn er am Zustandekommen beteiligt ist, und sei es auch nur, wenn er sieht, wie er gefunden wird. So dürfte auch seitens der Mediziner der Vorteil einsichtig sein. Auch wenn zu erwarten ist, dass der zeitliche Aufwand im Durchschnitt größer ist, fällt natürlich andererseits zumindest ein Teil der späteren Diskussion mit dem Patienten weg, wobei natürlich immer noch Bedenkzeit bleiben sollte. Natürlich setzt das einen aufgeklärten und informierten Patienten voraus, wovon man in der Regel bei von einer Krebserkrankung Betroffenen eher, aber natürlich nicht in jedem Fall ausgehen darf. Und natürlich kommt hier auch wieder der E-Patient ins Spiel, der sich eigenverantwortlich seine Informationen aus dem Web besorgt, was ebenfalls nicht bei allen Ärzten wohl gelitten ist, und es gibt neben seriösen Informationen natürlich auch zugegebenermaßen sehr viel nutzlose, falsche und bisweilen gefährliche „Information“ im Web.

Mich würde mal interessieren, wie andere Betroffene das so sehen: Würdet Ihr an einem Tumorboard betreffend einer Therapieentscheidung für Euch teilnehmen wollen, wenn die Möglichkeit dazu besteht? Natürlich dürfen sich auch gern Nichtbetroffene angesprochen fühlen, die sich das vorstellen können oder aber eben nicht.

Und da ich weiß, dass zumindest ein Arzt hier gelegentlich mitliest 😉 , würde mich natürlich auch die Meinung der anderen Seite interessieren.

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2 Antworten to “Patienten ins Tumorboard?”

  1. Sue 1. Mai 2012 um 10:52 #

    Ich hatte darum gebeten dabei sein zu dürfen, wenn mein Fall beim Tumorboard besprochen wird. Das wurde aber abgelehnt und sei absolut untypisch. Ich finde es besser, wenn man dabei sein kann. Sicher nicht verpflichtend, da der Eine oder Andere sich da bestimmt überfordert wird, aber wenn ein Patient das wünscht, fände ich die Einbeziehung des Betroffenen auf jeden Fall sinnvoll. Ich werde den Artikel mal weiterleiten 😉

    lieben gruss sue

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  2. Carpe tempus! 2. Mai 2012 um 17:49 #

    2010 kam es bei mir allerdings nicht zu einem Board, weil ich einfach eine zu feste Meinung hatte, dass ich keine Chemo wollte und erst einmal die sanftere Anti-Hormon-Therapie probieren wollte. Diskutierte habe ich das mit diversen Ärzten, ich habe mir mein Board also selbst ausgesucht.
    Ich bin nicht sicher, ob ich dabei sein wollte. Es wäre sicher sehr belastend, wenn auch erhellend. Ich hätte auch Bedenken, ob die beteiligten Ärzte wirklich alle ihre Meinung offen sagen würden, wenn der betroffene Patient dabei ist. Die sprechen sicher anders, wenn sie nur unter sich sind …

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