Wie wär’s mal wieder

2 Jul

mit einem klugen Spruch?

Und jedem Anfang wohnt ein neuer Zauber inne…“ kennen wir ja von Hesse. Der holte sich die Vorlage aber von sehr viel früher, nämlich vonMeister Eckhart:

Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

Man kann das als Aufforderung im Großen verstehen, und so wird es wohl auch oft verstanden: Etwas völlig neues anzufangen, zu wagen, dafür vielleicht das alte aufzugeben.

Ich möchte versuchen es für mich zunächst im kleinen verstehen: Jeden Tag als etwas Neues begreifen, etwas, das nicht selbstverständlich ist, letzteres eine Erkenntnis, die wirklich manchmal sehr plötzlich vor einem steht. Und deshalb jeden Tag als einen neuen Anfang begreifen, dem natürlicherweise ein Zauber innewohnt, und der es wert ist ihn von vorn zu beginnen.

Unnötig zu sagen, dass mir das nicht immer gelingt, was das Bemühen darum aber nicht weniger sinnvoll macht.

 

Und angeregt von einem Eckhart-Text an einer anderen Stelle, gefunden bei Echium, habe ich in der Nähe dieser Stelle in der gleichen Quelle (Meister Eckhart – Das Buch der göttlichen Tröstung) weiter gesucht und dies gefunden. Es entspricht einem kleinem aber nicht unbedeutenden Teil dessen, was ich auch mit Hilfe, die ich mir holte, in den letzten Jahren gelernt habe und noch lerne:

Noch ist aber ein ander sache; swer die merken und bekennen wölte, sô würde er billîche getrœstet an ûzerlîchem schaden und leide.
Ein mensche vert einen wec oder tuot ein werk oder læzet ein ander werk, sô geschihet im ein schade: er brichet ein bein, einen arm oder verliuset ein ouge, oder er wirt siech.
Wil er danne alles gedenken: hætest dû einen andern wec gevarn oder ein ander werk getân, sô enwære dir daz niht beschehen, sô blîbet er ungetrœstet und wirt von nôt leidic.

Und dar umbe sol er gedenken: wærest dû einen andern wec gevarn oder hætest dû ein ander werk getân oder gelâzen, dir wære vil lîhte ein vil grœzer schade und leit beschehen; und sô würde er billîche getrœstet.

Noch aber gibt’s etwas anderes: wer das beachten und erkennen wollte, der würde zu Recht getröstet bei äußerem Schaden und Leid.
Ein Mensch zieht einen Weg hin oder verrichtet ein Werk oder unterläßt ein anderes und dabei widerfährt ihm ein Schaden: er bricht ein Bein, einen Arm oder verliert ein Auge, oder er wird krank.
Will er dann beständig denken: Wärest du einen andern Weg gezogen oder hättest du ein anderes Werk verrichtet, so wäre dir das nicht widerfahren, so bleibt er ungetröstet und wird notwendig leidbedrückt.
Und deshalb soll er denken: Wärest du einen andern Weg gezogen oder hättest du ein anderes Werk verrichtet oder unterlassen, so wäre dir leichtlich ein viel größerer Schaden und Kummer widerfahren; und auf solche Weise würde er zu Recht getröstet.

Josef Quint (Hg.), Meister Eckehart, Deutsche Predigten und Traktate

 

Und mit Zen ist das deshalb kategorisiert, weil es eben so ist.

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Eine Antwort to “Wie wär’s mal wieder”

  1. arabella50 22. Juli 2014 um 12:10 #

    Dieser Post ist toll.Genau wie du finde ich in alten Büchern und Geschichten wieder,was mich heute bewegt.Eine Art von Klugheit,die sich in 1000 Jahren nicht geändert hat.

    Gefällt mir

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