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Bin ich auch Charlie?

7 Jan

Dies ist kein Meinungsblog und auch kein politischer, meistens jedenfalls nicht. Aber heute bin auch ich Charlie und vielleicht noch ein wenig länger.

Um was es geht, muss man sicher nicht erklären. Es war nicht nur ein weiterer terroristischer Anschlag, ein feiger Mord, eine weitere Greueltat, die Menschenleben sinnlos beendet und Angehörige in Verzweiflung gestürzt hat. Es war auch ein Angriff auf fundamentale Dinge. Auf die Meinungsfreiheit, auf die Pressefreiheit und ich wage zu behaupten auf die Religionsfreiheit. Und ich verneige mich in Respekt vor den Opfern, die wussten oder doch zumindest ahnten, wie gefährlich das war, was sie dennoch taten.

Egal, ob man die Artikel und Karikaturen gut oder geschmacklos fand, man kann und darf Menschen deswegen nicht bedrohen oder umbringen, niemals und nirgends. Eine Religion, und deren Angehörige, die sowas nicht aushält verdient ihren Gott nicht. Kein Gott, hat Menschen nötig, die in seinem Namen und angeblich für seine Ehre oder wegen seine Schmähung morden. Das ist nicht mein Gott und nach meiner Überzeugung auch nicht der Gott der meisten Muslime, jedenfalls nicht in der westlichen Welt.

Es kam die Frage auf, ob man sich als Muslim von dieser Tat und ganz allgemein vom Islamismus, den Hasspredigern und den mordenden Fanatikern distanzieren muss. Ob man sich dann z.B. als Deutscher nicht auch von Hitler oder ganz allgemein vom dritten Reich distanzieren müsste. Es war zu lesen, dass man „die“ Muslime nicht für die Taten einzelner verantwortlich machen könnte. Nein kann man nicht, muss man auch nicht, aber Schweigen muss man auch nicht und sollte man auch nicht. Genausowenig wie man zu Pegida schweigen muss und sollte, muss man es zu den Auswüchsen des Islamismus oder jeder anderen fundamentalistischen Strömung und deren Vertretern, die Hass und Intoleranz oder gar Gewalt predigen, und da gibt es nebenbei bemerkt außer Islamisten noch jede Menge andere.

Man muss sich nicht distanzieren aber man kann es tun. Ich konnte es als 19 jähriger in irischen Kneipen, als ich den Hitlerzahn bei irischen Mitzechern ziehen musste („also das mit Juden war ja vielleicht nicht so toll, aber er hat ja schließlich Kraftwerke und Autobahnen gebaut, und – ganz leise – den Engländern eins übergebraten“). Damals war es sinnvoll und notwendig sich davon zu distanzieren und aufzuklären, auch mit der „Gnade der späten Geburt“ und ohne persönliche Schuld. und heute könnte es wieder sinnvoll und vermutlich auch notwendig sein. Die islamischen Verbände haben es schon getan, vielleicht schaffen sie es auch in Zukunft deutlich Stellung zu nehmen.

Und wenn es jetzt jemand tut ganz persönlich tut, dann ist das wert, dass andere das erfahren. Deshalb hier der Beitrag von einer, die es getan hat:
von Herz im Kopf

Vielen Dank dafür, möge es nicht die Einzige bleiben.

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