Archiv | 23:51

Marburg, der Nabel der linken Welt

11 Jan

war für viele meiner Klassenkameraden und Freunde und für mich aus dem verschlafenen „Zonenrandgebiet“ in Nordhessen damals® so Anfang bis Mitte der 70er. Wir hatten der Stadt ein selbstverwaltetes Jugendzentrum abgerungen, und wir verwalteten es wirklich selbst, jeder machte fast alles und es klappte erstaunlich gut. Praktisch alle, die sich dort engagierten, waren irgendwie „links“ meist Sympathisanten oder Mitglieder von SDAJ und DKP. Und Marburg war für uns das Mekka der linken Studenten. Marburg wählte links, und es gab mächtig Streit zwischen den linken Gruppierungen um die „rechte“ linke Richtung. Teilweise so heftig, dass sich die Gegner von rechts beruhigt zurücklehnen konnten. Die meisten wollten dann auch in Marburg studieren, die wenigsten haben es getan. Irgendwann bekam ich Zweifel an der orthodoxen Linken und es verschlug mich nach Bonn, das ich immer noch als zweite Heimat empfinde und vermisse. Eine mehr oder weniger rot/grüne Socke blieb ich aber. Anlass dieses Posts ist aber eigentlich ein anderer, denn Marburg stand auch für eine Band, die ich nach langer Zeit auf Youtube wiederentdeckt habe, und von der ich eben keinen Tonträger besitze, Pell Mell. Zu Zeiten eben unseres Jugendzentrums fanden bei uns immer mal wieder Konzerte statt, und diese Band war mehrmals zu Gast. Die Musik empfand ich mit 15-17 fast als revolutionär, immerhin spielte eine elektronisch verstärkte Geige mit 😉 Und allen hatte es besonders ein Stück angetan, um das die Marburger bei keinen Auftritt herumkamen. Heute ist das für mich Nostalgie, und ich höre es immer mal wieder gern, auch die original Hammondorgel mit dem Leslie-Speaker … http://youtu.be/4PXOgnBlgA4

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Es ist mal wieder an der Zeit

11 Jan

auf das Projekt meines Bekannten Ulf hinzuweisen, wie schon mehrfach hier im Blog geschehen (zuletzt hier).

Es handelt sich immer noch um die (inzwischen nicht mehr ganz so) kleine Aurela im Kosovo, die an akuter myelotischer Leukämie erkrankt ist. Das Mädchen ist die Verwandte einer Freundin von Ulfs Familie, und so kam die Aktion zustande. Ulf fühlte sich aufgerufen zu helfen und hat vor längerem dazu eine Spendenaktion ins Leben gerufen, was in diesem Fall, ein Einzelschicksal in einem fremden Land, gar nicht so einfach war.

Die Krankheit ist letztlich nur durch eine Stammzelltransplantation endgültig heilbar. Bei uns wäre das, sofern sich ein geeigneter Spender findet, kein Problem, die Krankenkassen zahlen das, wie auch jede andere erforderliche Behandlung. Im Kosovo mit einem praktisch nicht vorhandenen öffentlichen Gesundheitssystem hingegen IST das ein Problem, und zwar ein für die Familie unlösbares. Die hat bereits, alles, was sich irgendwie flüssig machen lies, in die Behandlung investiert und sich obendrein hoch verschuldet, und das nur für eine mehr schlechte als rechte Erhaltungstherapie und die regelmäßig notwendigen Untersuchungen. An eine Stammzelltransplantation, die bei uns ca. 250.000 EUR und alternativ in Russland oder Jordanien immerhin noch 80.000 EUR kosten würde, ist da definitv nicht zu denken. Inzwischen sind gut über 21.000 EUR zusammen, viel zu wenig um eine Transplantation zu bezahlen, auch wenn ein Spender gefunden werden sollte, nach dem über die DKMS bereits gesucht wird.

Nachdem sich der Zustand des Mädchens zwischenzeitig stabilisert hatte, geht es ihr mittlerweile wieder schlechter und die Uhr tickt lauter für sie. Zusätzlich werden die laufenden Behandlungskosten für die Familie immer mehr zum Problem, weil sie kaum mehr bezahlbar sind.

Meine Mittel sind auf absehbare Zeit ziemlich beschränkt, sodass ich nicht viel mehr tun kann als immer mal wieder auf das Schicksal und die Aktion von Ulf aufmerksam zu machen, was ich hiermit gern wieder einmal tun möchte. Mir ist bewusst, dass dies ein Einzelschicksal ist, und dass es sicher noch viele gleichartige oder ähnliche Schicksale von Kindern im Kosovo und anderswo gibt, für die es keine solche Aktion gibt. Nur irgendwo muss man ja anfangen, und hier gibt es eben einen persönlichen Bezug.

Der aktuelle Stand der Dinge findet sich hier im Projektblog.

Allgemeine Infos zum Projekt und dem Spendenstand, sowie Spendenkonto ect. findet sich hier auf der Projektseite.

Schade

11 Jan

aus aktuellem Anlass ein Stück aus einem meiner allerersten Vinylalben und eines meiner liebsten daraus (das 3er Album All Things must pass von George Harrison). Ich gebe zu, ich bin leicht melancholisch und etwas angeschlagen von den jüngsten Ereignissen.

Vom derzeitigen Lesen

11 Jan

Beim Lesen der Dinge und beim Vorwärtsstolpern von Hölzchen zu Stöckchen bin ich dann, mal wieder, bei Lichtenberg gelandet, Sohn meines derzeitigen Wohnortes, ich schrieb es wohl schon:

Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die bloß lesen, damit sie nicht denken dürfen.

aphoristiziert er (kann man das sagen?).

Nun weiß ich, dass das sicher anders gemeint war, aber manchmal lese ich tatsächlich, um nicht denken zu müssen. Um eine kurze Weile frei zu sein von bedrückenden Gedanken, die ich leider nicht einfach so ziehen lassen kann, ohne zu werten, wie ich es mir gern wünschte. Und dann lese ich, irgendwo hier und da, lasse mich treiben im Web, auf Blogs oder auch ganz banal auf Facebook, zuviel und zu lange dort in letzter Zeit.

Aber eben auch in einem Buch, in letzter Zeit oft elektronisch, weil es Bücher sind, die ich zwar interessehalber schon lange lesen wollte, von denen ich aber nicht sicher bin, dass ich sie ein zweites, drittes oder auch, wie einige liebgewonnene ein siebtes oder achtes Mal in die Hand nehme und auslese, im doppelten Sinne. Solche möchte ich doch immer noch auf Papier haben, umblättern mit der Hand, am liebsten auch gebunden. Die E-Bücher sind meist alte, gemeinfreie Werke, Conan Doyle oder Verne zuletzt z.B., die ich einfach mal gelesen haben möchte.

Und das Lesen verschafft mir meistens ein wenig Ruhe und Abstand, komme sozusagen wieder zur Besinnung, besinnlich und zurück aus der empfundenen Ohnmacht.