Tanzverbot

4 Apr

in den Sozialen Netzwerken tobt, wie jedes Jahr zu Ostern, der Kampf ums Tanzverbot an den sogenannten Trauerfeiertagen iwe Karfreitag und das nimmt teilweise groteske Züge an.

Um es vorweg zu schicken: Ich halte es für überkommen und heutzutage nicht mehr wirklich sinnstiftend. Meinetwegen kann man es gern abschaffen, es stört mich aber auch anderereseits nicht so sehr dass ich zum Anti-Tanzverbotaktivisten werden müsste.

Und genau das ist der springende Punkt: Gerade diejenigen, von denen ich die aufgeregtesten Kommentare und leidenschaftlichsten Tanzverbot-Abschaffen-Forderungen lese, fallen sonst am wenigsten durch irgendwelche besonderen Feieraktivitäten oder den Besuch von Tanzveranstaltungen auf. Das nährt in mir doch den leisen Verdacht, der sich in einigen Fällen zur Sicherheit verdichtet, dass es den vielen dieser leidenschaftlichen Aktivisten gar nicht ums Tanzverbot sondern ums Prinzip, in diesem Falle die Religionskritik geht, die dann oft auch nachgeschoben wird. Dabei wird dann obendrein Religonskritik mit Kirchenkritik vermengt bzw. auch gern mal verwechselt, indem man Dinge, für die eigentlich Kirchen bzw. Gläubigenorganisationen verantwortlich zu machen wären, den Religionen als solchen angelastet werden, was in meinen Augen Unfug ist. Und wenn man schon mal dabei ist, wird dann auch gleich noch aufgezählt was für einen vermeintlichen Blödsinn alle diejenigen, die sich einer bestimmten Religion zugehörig fühlen, denn angeblich glauben, als könne man direkt in deren Köpfe schauen.

Nützlich fänd ich, das alles doch mal ein wenig zu sortieren.

Tanzverbot bei uns ist eine weltliche Angelegenheit, jedenfalls durch weltliche Institutionen geschaffen, in katholischeren Ländern wie Polen gibt es das nicht. Dass man ausgerechnet diese Tatsache jetzt auch noch der betreffenden Religion anlastet ist mit nicht eingängig. Da es sich also bei uns um eine weltliche Einrichtung handelt, wären auch die gleichen weltlichen Institutionen, die es in die Welt gesetzt haben, die Adressaten für Forderungen, es wieder abzuschaffen. Also sollte man sich auch zuerst an diese wenden. Dass es in meinen Augen keinen Sinn mehr macht, hatte ich ja oben bereits angedeutet, meine Unterstützung hätte man dabei, obwohl ich es jetzt nicht für eines der wirklich drängendsten Probleme halte. Und nein, ich falle jetzt nicht in die Grube der dümmlichen Argumentation á la „über <ein in meinen Augen total unwichtiges Problem> regt Ihr Euch auf, aber <ein mir unheimlich wichtiges und viel, viel schlimmeres Problem> ist Euch wohl egal“. Das ist ein Totschlagargument, für das ich mir im Gegensatz zum Neuen Deutschland (in einem anderen, eigentlich wirklich wichtigen Zusammenhang) zu schade bin, was man aber wirklich allenthalben und in fast jedem Zusammenhang finden kann.

Ich finde das Tanzverbot einfach nur überflüssig aber es ist mir nicht wichtig genug um aktiv dagegen vorzugehen, das muss ich nicht mit anderen Dingen vergleichen. Aus der anderen Ecke, pro Tanzverbot, tönt allerdings genauso viel dümmliches wie z.B. von Matussek, der mir einfach zu blöd ist, als dass ich ihn hier verlinken mag. Wer meint ihn lesen zu müssen, wird bei Google sicher fündig.

Worum es vielen (nicht allen) der Tanzverbotkritiker eigentlich geht, sind die vermeintlichen oder tatsächlichen staatlichen Privilegien der Kirchen (eigentlich aller Religiongemeinschaften, aber bei uns sind es traditionell eben die christlichen und jüdischen Gemeinschaften) in einem eigentlich laizistischen Staat. Da liegt tatsächlich einiges im Argen, was aber eben mit dem Verhältnis des Staates zu den offziellen Vertretern der jeweiligen Gemeinschaften, Kirchen ect. zu tun hat und wenig bis nichts mit den betreffenden Religionen an sich. Eigenes Arbeitsrecht, Ablehnung von bestimmten ausdrücklich legalen Behandlungen durch konfessionelle Krankenhäuser, Zulassung von Körperverletzung bei Kindern (Beschneidung) etc. sind Dinge, die sicher kritikwürdig sind und abgeschafft gehören. Das aber ist wiederum ein weltliches Problem, muss auf weltlicher Ebene und staatlicherseits gelöst werden und kann nicht den Religionen als solchen angelastet werden, was bei aller Berechtigung konkreter Forderungen immer wieder gern vermengt wird. Dass sich auf der anderen Seite natürlich deren offzielle Vertreter in Form von Kirchenleuten oder Zentralverbänden lautstark zu Wort melden, ist klar, das sind aber eben Menschen und Organisationen und nicht die Religonen selbst.

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2 Antworten to “Tanzverbot”

  1. Querbeet 4. April 2015 um 17:28 #

    ich kann sowieso nicht tanzen, mir ist das egal

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  2. andiau 4. April 2015 um 18:17 #

    wenn in thailand ein werter mensch gestorben ist, tanzen die theravada-buddhisten (95% der bevölkerung dort ist theravada) zu lauter musik, lachen laut, feiern, essen und trinken harten alkohol in rauhen mengen im tempel (also direkt am heiligen ort), als gäbe es kein morgen. und die menschen spielen dort karten, auch um geld, was eigentlich sonst verboten ist. frohe ostern!

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