Dieses Biest

10 Dez

Es geht wieder nach einer gottseidank eben sehr kurzen aber extremen Phase von ein paar Stunden, in denen mich eine gewisse Dame fest im Griff hatte. Und ich bin dabei mich zumindest soweit zu berappeln, dass ich einigermaßen einordnen kann, was da grad passiert ist. Ich bin sehr dünnhäutig geworden, sehr, sehr dünnhäutig. Ich ziehe mir zu viele Schuhe an, auch solche, die mich gar nicht unbedingt unmittelbar betreffen. Und wenn dann einer dazu kommt, der mich wirklich betrifft, ist es nur allzu leicht, der Dame Glauben zu schenken. Andererseits hilft mir das Bild der schwarzen Lady von Ulf, und ich beginne es und sie immer mehr zu verstehen, und das Bild hilft, sie zu erkennen, wenn sie sich meldet mit ihren Einflüsterungen. Es genügen kleine Anlässe um sich Hoffnungslosigkeit,  massive Selbstzweifel und das Gefühl des versagt habens breit machen zu lassen und mich vorübergehend völlig lahmzulegen.

Moclobemind sei Dank ist die Stimmung im Durchschnitt besser geworden als noch vor vielleicht 2 Monaten, und der Antrieb auch. Klarer sehe ich allerdings auch, wie sehr sie mich beeinträchtigt, die schwarze Frau. Ich habe mich vor dem Medikament nur einfach sehr schlecht gefühlt, langsam realisiere ich, wie schlecht es im Vergleich zu Zeiten, in denen ich einigermaßen „normal“ leistungsfähig war, ist. Es gab Zeiten, und die sind noch nicht so sehr lange her, zuletzt zum Beispiel 2008 und mit Einschränkungen 2010, in denen ich über Monate hinweg fähig war 80, 90 Stunden pro Woche zu arbeiten und auch dazu motivert war. Das war anstrengend, aber es ging, und natürlich war ich erschöpft danach, aber ich konnte es. Das ist jetzt absolut undenkbar. Ich bin dankbar für Tage, an denen ich es fertig bringe 6 Stunden halbwegs effektiv zu arbeiten und wenigstens währendessen über wenige Stunden hinweg halbwegs konzentriert zu sein. Und leider werden Berge, die eigentlich dringend abgearbeitet werden müssten immer größer.

Tagungen wie die, von der ich heute Nachmittag gerade zurückgekommen bin mit auch nur 8 Vorträgen in 4 Stunden an jeweils zwei Tagen noch dazu zu Themen, die mich sehr interessieren, konnte ich früher inhaltlich zumindest die Kernpunkte betreffend noch Wochen danach repetieren und locker schriftlich zusammenfassen. Keine Gedanke daran jetzt. Ich fand alles furchtbar interessant, aber  ich habe Mühe heute anhand der Vortragstitel die wesentlichen Inhalte der gestrigen Vorträge zu erinnern. Und wenn ich mich nicht sehr beeile, sie für mich schnell in ein paar Stichpunkten zu sammeln, werden sie im wesentlichen verloren sein. An die Tagung vor zwei Wochen habe ich nur noch sehr vage Erinnerung, die war allerdings auch nochmal bedeutend anstrengender.

Zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz hab ich eine Art online Therapie aufgenommen, die über 6 Wochen von meiner Krankenkasse übernommen wird, mit persönlicher Betreuung durch einen ausgebildeteten Therapeuten.  Ich merke, wie sehr mich auch das anstrengt. Es wird ein weiter Weg sein, in halbwegs stabile Verhältnisse zurückzukehren oder den Umgang mit den Angriffen der schwarzen Dame wenigsten traktabel zu machen.

Es fällt mir extrem schwer bzw. unmöglich, mich zu Dingen aufzuraffen, die mir früher viel bedeutet haben und zur Entspannung und Regeneration beigetragen haben. Vor zwei Monaten noch konnte ich nicht einmal mehr nachfühlen, was mich daran ehemals erfreut oder entspannt hat. Das immerhin kann ich mittlerweile wieder teilweise nachfühlen. Machen allerdings ist extrem schwierig. Immerhin, den Kater schnurrend auf dem Bauch ist ein gutes Gefühl und das kann ich auch genießen. Das fällt leichter, weil es von außen kommt, ich muss das nicht selbst initiieren.

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3 Antworten to “Dieses Biest”

  1. Myriade 10. Dezember 2016 um 23:35 #

    Ich wünsch dir alles Gute !!

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  2. Der Emil 10. Dezember 2016 um 23:57 #

    Die Losigkeit hat Dich gepackt? Ich wünsche Dir viel, viel Kraft.

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  3. Trippmadam 11. Dezember 2016 um 05:42 #

    Ich kenne das noch, auch wenn ich das meiste aus meiner Zeit mit der schwarzen Dame verdrängt habe. Sie meldet sich mitunter, aber bleibt sehr im Hintergrund. Ich hoffe, es kommen auch für Sie irgendwann bessere Zeiten.

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