Das war heftig

12 Dez

Die paar Stunden am Samstag spät nachmittags und abends waren wirklich extrem heftig. Gottseidank relativ schnell wieder vorbei.

Es ist nicht so, dass es mir jetzt wirklich gut ginge, die Grundstimmung ist immer noch recht bescheiden, aber sowas wie vorgestern möchte ich wirklich nicht für länger erleben.

Ich hatte immer mal wieder Phasen über Tage und teilweise Wochen, in denen kaum noch was ging und ich auch ziemlich unruhig war, weil ich einerseits unfähig war was sinnvolles zu tun, andererseits auch nicht still rumsitzen oder schlicht rumgammeln konnte. So extrem wie in diesen paar Stunden hab ich das aber noch nie erlebt. Einerseits völlig gelähmt für irgendwelche planvollen Aktivitäten, andererseits total unruhig durch die Gegend tigernd auf der Suche nach Ablenkung für dieses extreme Karussell von Hoffnungslosigkeit, Selbstzweifeln, Gefühl des Totalversagens, völligen Aufgebenwollens im Kopf. Nein, ich war nicht suizidal, war ich wirklich konkret noch nie. Davor hat mich immer, was für manche vielleicht merkwürdig anmuten mag, wohl am meisten meine Spiritualität bewahrt.

Für mich ist diese Intensität scheinbar paradoxerweise auch mit der allgemeinen Besserung durch das Moclobemid verknüpft. Das Medikament hebt nicht nur meine Stimmung und den Antrieb, ich erlebe die Dinge auch anscheinend bewusster und nicht mehr nur durch diesen dumpfen Nebel der Depression sondern merke, was da passiert, das kann das Erleben wohl auch intensiver machen. Andererseits merke ich eben auch klarer, wenn und wie es passiert und habe im Nachhinein das Gefühl besser und schneller reagieren zu können. Dass es besser wird, heißt nicht zwingend, dass es auch weniger anstrengend wird.

Für meine Umgebung fürchte ich, dass ich in den Zuständen allerdings ziemlich anstrengend bin. Vorgestern fand ich den Online-Coach vorübergehend völlig sinnlos und mich absolut nicht in der Lage eine der gestellten Aufgaben zu bearbeiten und bezweifelte das jemals zu können. Gestern ging mir das nach etwas Nachdenken und mit etwas Anstrengung recht einfach von der Hand und heute finde ich das recht hilfreich. Der Besuch einer für gestern eingeladenen Geburtstagsfeier schien mir am Samstagabend ebenfalls völlig unmöglich, ich war dann gestern trotzdem da, nicht übermäßig motiviert aber eben dabei.

Und falls sich noch jemand fragt, warum ich das hier mehr oder weniger öffentlich schreibe. Es ist hilfreich, und ich sehe im Moment keine Karriere, der es schädlich werden könnte.

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5 Antworten to “Das war heftig”

  1. Trippmadam 12. Dezember 2016 um 16:53 #

    So klug schreibt über dieses Thema im Moment kaum ein Betroffener, von dem ich weiß.

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    • Karl 13. Dezember 2016 um 00:35 #

      Danke! Ulf (http://weblog.hundeiker.de/), der im vorangegangenen Beitrag verlinkt ist und von dem das Bild der schwarzen Lady stammt, hat ebenfalls sehr viel Kluges zum Thema geschrieben, und ich habe einiges über das Thmea von ihm gelernt. Man sollte sich auf ihn einlassen, wenn man etwas über Depressionen erfahren will. Bei ihm erfährt man nochmal eine ganz andere Dimension.

      Ich habe ihn und seine Betroffenheit kennen gelernt, schon lange bevor ich mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht habe selbst betroffen sein zu können, geschweige denn profesionelle Hilfe gesucht habe.

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  2. Frida/Smilla 12. Dezember 2016 um 22:41 #

    da kann ich nur zustimmen madame

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  3. sue 13. Dezember 2016 um 12:48 #

    Ich habe zur Zeit auch wieder heftig zu kämpfen. Noch bin ich ohne Medis, aber ob es über den Winter wirklich ohne geht, kann ich noch nicht einschätzen. So schlimm wie diesen Winter, war es lange nicht mehr. Für mich ist dann auch immer schwer einzuschätzen, ob ich gerade wieder ins schwarze Loch sause, oder ob die Metastasen/die Therapie im Augenblick mehr Kraft ziehen . . . ich habe ja jeden Winter wieder mehr mit dem schwarzen Loch zu kämpfen, aber dieses Jahr ist es besonders schlimm. . . . . und es scheint ja nicht nur mir so zu gehen. Ich höre das von ganz Vielen.
    lieben Gruß
    Sue

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    • Karl 14. Dezember 2016 um 20:55 #

      Der Winter scheint für die meisten Betroffenen härter zu sein als andere Jahreszeiten. Ich kann das für mich nicht wirklich zuordnen. Es mögen auch eine Reihe anderer Dinge beteiligt sein, die sich zu verschiedenen Kahreszeiten der vergangenen Jahre angesammelt haben und das latent angelegte Geschehen dann soweit gebracht haben, dass es für mich und meinen Arzt Krankheitswert bekommen hat.

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