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Die anderen …

22 Jun

„Andere haben das auch geschafft“ „Schau dir den …. an, wie der wieder zurückgekommen ist“

Es sind nicht nur die „guten Ratschläge“ oder auch die gut gemeinten, die mir bisweilen gehörig auf den Geist gehen. Auch die „guten“ Beispiele, die mir aus allen möglichen Quellen gewollt oder ungewollt um die Ohren gehauen werden, bewirken zimelich oft das Gegenteil dessen, was sie berwirken sollen, sie demotivieren mich heftigst.

Mir ist klar, dass sie anders gemeint sind. Mir ist klar, dass es Menschen gibt, auf die sie tatsächlich motivierend wirken. Aber die teilweise auch als ganz Kampagnen gefahrenen Beispiele von Leuten, die „es geschafft haben“ bewirken nicht nur positives. Das Gefühl, verglichen zu werden oder mich vergleichen zu sollen, lähmt mich mehr als es mich motiviert. Die Erfahrung aus der Krebsselbsthilfe lehrt mich, dass man mit leuchtenden Beispielen eher vorsichtig sein sollte. Positive Erfahrungen sind gut und können anregen an der eigenen Situation zu arbeiten, können Wege aufzeigen, an die man vorher nicht gedacht hatte. Es sind aber immer individuelle Wege, die bei einer Person gepasst haben mögen, aber keineswegs eine Blaupause sein müssen und auch oft nicht sind, die auf alle Menschen zu passen. Das muss aber auch kommuniziert werden, sonst wird aus Anregung und Motivation schnell Frust über vermeintliches eigenes Versagen.

Besonders kritisch finde ich das bei öffentlichen Kampagnen, wie ich sie in Krankenkassenzeitungen, im Web – z.B. auch bei einem großen Selbsthilfe-Dachverband – sehe. Diese Kampagnen werden nämlich nicht nur von den Betroffenen selbst wahrgenommen, die dann für sich entscheiden könnten, ob das Beispiel für sie überhaupt passt. Sie werden auch von anderen, nicht Betroffenen wahrgenommen und bisweilen den Betroffenen um die Ohren gehauen. Das ist dann der Punkt, wo nicht ganz so resiliente Menschen in Schieflage geraten und anfangen sich selbst zu fragen, ob sie nicht schuld haben, dass es bei ihnen anders gelaufen ist. Bisweilen wird ihnen genau diese Frage auch von anderen gestellt, leider auch manchmal von Therapeuten, die eigentlich wissen sollten, dass man damit je nach Gemütslage auch Schaden bis zur Triggerung anrichten kann. Das erzeugt Schuldgefühle, und Schuldgefühle sind das letzte, was jemand mit angeknacksten Selbstbewusstsein in einer schwierigen Situation gebrauchen kann.

Unter anderen mit solchen Selbstvorwürfen bin ich in die Depression gerutscht, die mich jetzt seit mindestens 3 Jahren begleitet. Rational ist mir völlig klar, dass ich mich kaum mit einem 25 Jährigen vergleichen kann, der nach Krebserkrankung und anstrengender Therapie einen verständnisvollen Arbeitgeber gefunden hat, der ihn maximal förderte, und dann ziemlich erfolgreich ins Arbeitsleben eingestiegen ist. Die Ratio ist aber leider nicht immer das bestimmende Element im Kopf und im Herz, besonders nicht bei Menschen, die zu depressiven Phasen neigen, was nach und bei chronischen Erkrankungen öfter mal vorkommt und mit jedem vorangegangenen Misserfolg nicht unbedingt besser wir.

Rational ist mir vollkommen klar, dass man gute Ausgangsbedingungen nicht vorfinden sondern auch aktiv aufsuchen kann. Nur muss man sie eben auch finden können, manchmal gibt es sie auch einfach nicht, und der Aufbruch allein ist eine nicht immer zu bewältigende Anstrengung.

Wünschenswert wäre schon mal zumindest bei den öffentlichen „positiven Beispielen“, wenn darauf hingewiesen würde, dass es sich nicht um pauschal anwendbare Wege handelt, sondern dass solche Wege immer individuell zu beurteilen sind. Vielleicht wäre auch die Redukion auf die Fakten und der Verzicht auf die Heraushebung als besonders leuchtende und erstrebenswerte Beispiele gut.

Der zunehmende Druck zur Selbstoptimierung, der sich mir an den verschiedensten Stellen immer wieder aufdrängt, geht mir auf den Geist. Anderen mag es leicht fallen, das für sich zu ignorieren. Mir fällt das schwer.

Btw. für die Entwickler von Apps: Ich wünsche mir einen Schrittzähler, der genau und vor allem nur das macht, was der Name sagt: Schritte zählen. Ich möchte nicht ermuntert werden beim nächsten Mal noch mehr zu „leisten“, ich möchte keine Fitnesstips und auch nicht vorgerechnet bekommen, wieviele Kalorien ich verbrannt habe. Ich brauche nur eine Zahl, weiter nichts.

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Tatze ist tot

11 Jun

Er ist gestern am späten Abend zuhause gestorben. Mein Philosoph, Tröster, Lehrer.

Es ist für mich noch sehr schwer zu begreifen. Ich will nicht, dass es so ist, ich werde es aber akzeptieren müssen. Es wird eine Weile dauern, bis ich es kann.

Alles daran ist ungerecht und unverdient. Das fängt mit seinem Beginn an, als vernachlässigtes, sehr krankes Katzenkind mit ca. 9 Wochen von einem Bauernhof geholt. Lange in Quarantäne mit Luna als einziger Gefährtin gepflegt und aufgepäppelt worden, endlich mit ihr zusammen von uns aufgenommen. Mit zweieinhalb bei einem (Auto?)unfall oder ggf. auch einem gewalttätigen Angriff schwer verletzt und fast gestorben, mit zwei aufwändigen und gefährlichen Eingriffen gerettet, gekämpft, wieder gesund und kräftig geworden.  Ein friedliebender von allen als lieb und einfach nur gut bezeichneter Kater, der selbst aktiv keine andere katze angegriffen hat, holt sich mit großer Sicherheit bei einem Streit mit einer anderen Katze dieses Mistvirus, das gar nicht zur Erkrankung führen muss aber ausgerechnet bei ihm, dem jungen Seelentier, ausbricht und gleich die Form mit dem schlimmsten, schnellsten und hoffnungslosesten Verlauf auslöst.

Der Kater, der mir soviel gegeben hat, mein Therapeut, der mich einiges gelehrt hat und das selbst im Tod noch tut, indem er so tiefe Gefühle auslöst, mich weinen und trauern lässt, Gefühle, die mir die Depression zwischenzeitlich fast vollständig geraubt hatte, und die jetzt unendlich weh tun.

Ich weiß noch nicht, was ich ohne Dich tun soll. Es wird schwer, sehr schwer. Danke für alles, Tatze, Kurti, Ron, mein starker Bär.

Manches hab ich Dir schon zu Lebzeiten gesagt, gottseidank, einiges werde ich Dir noch sagen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Zitat

Alles was in der Gottheit ist ist eins

21 Mrz

Als ich die Überschrift las, spätestens aber, als ich die erste Zeile las

„Als ich in dem Grunde, in dem Boden in dem Fluss und in der Quelle der Gottheit stand“

war mir klar, es ist wieder einmal Eckhart, obwohl ich auch diesen Text bisher noch nicht kannte. Und wieder einmal kam dieses bekannte Gefühl der Vertrautheit und Stimmigkeit. Eckhart berührt mich – immer wieder.

via Alles was in der Gottheit ist ist eins

Benni hat sich verabschiedet

21 Mrz

Er hat sich entschieden loszulassen und wird uns bald verlassen haben. Heute morgen hat er seinen Abschiedspost auf Facebook veröffentlicht.
https://cancelling-cancer.blogspot.com/2016/03/functiond-s-id-var-js-fjs-d.html

Ich habe seinen Weg, wie auch den einiger anderer Krebsblogger über lange Zeit verfolgt. Er hat sein Leben mit dem Darmkrebs öffentlich gemacht, auch um zu zeigen, dass und wie man damit leben kann. 9 Jahre nach der Diagnose ist er nun am Ende seines Weges angekommen, der für ihn immer das Ziel war, etwas schneller zum Schluss als erwartet.

Sein Weg verdient, wie jeder andere auch, Respekt.  Sein Weg hat vielen anderen Möglichkeiten aufgezeigt. Niemand muss genau den gleichen Weg gehen, aber man kann es tun, so oder so ähnlich.

Benni, du hast es gut gemacht, sehr gut. Mach’s gut ist daher eigentlich schon ein überflüssiges Ratschlag. Komm gut und in Frieden an. Deiner Frau, die deinen Weg mit Dir gegangen ist, die nötige Kraft und Unterstützung, deinen Lieben auch.

Ein erster Schritt

16 Mrz

I sat with my anger long enough

until she told me

her real name was grief.

 

Fundstück irgendwo

Gott ist namenlos

26 Feb

Als ich die ersten Worte las, wusste ich, dass das von Meister Eckhart sein muss, obwohl ich genau diesen Text noch nie gelesen hatte.

Eckhart überrascht immer wieder und ist doch so klar erkennbar.

https://wp.me/p14kOY-2wn

Die Wüste

23 Feb

in meinem Fall den Sinai habe ich als klar erlebt. Ohne Schnörkel, bestimmt in den Forderungen, die sie an ihre Besucher stellt.
Faran macht Wüstenmusik oder Musik, wie die Wüste, die Negev, wo die Musiker leben. Genauso klar und schön.
https://youtu.be/WkQdCmcwcoU

Über den Tod sprechen

10 Feb

kann und sollte man gelegentlich. Relativ häufig geschieht dies auf den Blog Sterben Üben. Dort gibt es auch eine Fragensammlung, die ich ganz interessant finde, und die anregt sich den ein oder anderen Gedanken zum Thema Tod und Sterben zu machen. Manche Fragen hab ich mir längst schon selbst gestellt einige regen mich an neu nachzudenken. Ich will sie hier für mich selbst beantworten.

  1. Hast du Angst vorm Tod?
    Jein. Vor dem Tod eigentlich weniger, obwohl ich gern noch einige Zeit hier hätte.
    Ich hatte vor einiger Zeit einen Traum, in dem ich mir sehr klar darüber war, dass ich am Lebensende angekommen war und sterben müsste, krankheitsbedingt. Ich verabschiedete mich von den Menschen, die mir zu diesem Zeitpunkt viel bedeuteten und war bereit zu gehen. Alles war friedlich und eher heiter.
    Insofern also eher doch keine Angst.
  2. Hattest du Todesfälle in deinem Umfeld und wenn ja, welche haben dich besonders betroffen?
    Reichlich, und fast alle haben mich auf ihre Weise besonders betroffen. Ich mag a kein Ranking aufstellen.
  3. Haben deine Eltern mit dir als Kind über den Tod gesprochen?
    Ja, ein wenig. Aber wie alle Eltern – auch ich – wohl nicht ausreichend.
  4. Hattest du als Kind Haustiere, die du beerdigt hast? Wenn ja, wie?
    Ja, meinen Wellensittich, den ich tragischerweise unbeabsichtigt selbst umgebracht hatte. Er wurde in eine Serviette gewickelt im Garten begraben. Ein kleines Kreuz bekam er auch.
  5. Haben deine Eltern Angst vorm Tod?
    Das weiß ich nicht, sie sind beide schon tot. Ich nehme an, sie hatten keine.
  6. Was macht die Antwort aus Frage 5 mit dir? Ehrlich gesagt nicht viel. Sie ist eigentlich nicht relevant für mich.
  7. Hast du Kinder? Wenn ja, hast du mit ihnen über den Tod gesprochen?
    Ja und ja. Und wie oben erwähnt, vermutlich nicht ausreichend. Jetzt da erwachsen ist es gelegentlich ein Thema, aber eher zufällig.
  8. Wenn du mit deinen Kindern noch nicht über den Tod gesprochen hast: Was hält dich davon ab? Mich nichts.
  9. Wovor fürchtest du dich mehr: Dem Sterben oder dem Tod selbst?
    Vor dem Sterben, falls es gewaltsam, angstvoll oder schmerzhaft geschehen sollte.
  10. Was gehört für dich zu einem guten Leben?
    Gleichzeitig so vieles und auch so wenig. Und was ist ein gutes Leben?
    Sinn hab ich inzwischen den einen oder anderen gefunden, vermutlich reicht das bereits.
  11. Welche drei Dinge möchtest du erreicht oder erlebt haben, bevor du stirbst?
    Da ich mir den Zeitpunkt nicht aussuchen kann, mache ich diesbezüglich keine Pläne. Ich habe immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt eine „bucket list“ aufzustellen und wieder Abstand davon genommen. Sollte ich unheilbar krank werden, könnte es wieder dazu kommen. Was dann allerdings da drauf käme, hinge davon ab, was einigermaßen realistisch machbar wäre. Das dürfte aus rein wirtschaftlichen Gründen einige Einschränkungen haben.
  12. Wen wünschst du dir in den letzten Minuten deines Lebens bei dir?
    Mein nahen Angehörigen.
  13. Stellst du dir den Tod eher männlich oder eher weiblich vor?
    Geschlechts- und genderlos.
  14. Glaubst du an eine Art Leben nach dem Sterben?
    Jein. Nicht im naiv christlichen oder naiv östlichen Sinne.
  15. Findest du Friedhöfe gruselig?
    Nein.
  16. Wie möchtest du mal bestattet werden?
    Das überlasse ich anderen. Im eigenen Garten verstreut werden, wäre eine angenehme Vorstellung. Das könnte irgenwann möglich sein, wenn mir noch einige Zeit bleibt. Die Art der Bestattung ist vermutlich wichtiger für für die, denen ich etwas bedeute als sie es für mich selbst sein kann. Ich gehe davon aus, dass ich es nicht bewusst miterleben werde.
  17. Welche Musik möchtest du auf deiner Beerdigung gespielt haben? Auch das ist mir im Grunde gleich gültig (im Eckhartschen Sinne). Was Rockiges wäre eine nette Vorstellung, Jazz ebenfalls.
  18. Auf wie vielen Beerdigungen warst du schon? Ich habe sie nicht gezählt, aber eine Hand dürfte nicht ausreichen.
  19. Machen dir Beerdigungen Angst oder ein seltsames Gefühl, und wenn ja, wieso? Nein. Trauer ist nicht seltsam.
  20. Hast du schon Vorkehrungen getroffen für den “Fall der Fälle”? Also eine Vorsorgevollmacht abgeschlossen, eine Patientenverfügung vorbereitet, Bestattungsanweisungen festgehalten? Ja, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Bestattungsanweisungen finde ich aus den oben genannten Gründen überflüssig.
  21. Wie fühlst du dich, wenn in Büchern oder Filmen jemand stirbt? Bisweilen traurig, eigentlich meistens.
  22. Hast du das Gefühl, noch viel Zeit vor dir zu haben, um dein Leben zu gestalten? Was ist „viel“? Es ist gleichzeitig nie genug und überreichlich.
  23. Gibt es Dinge, die du rückblickend in deinem Leben anders machen würdest?
    Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken, da ich es nicht kann. Das ist im übrigen sehr empfehlenswert.
    Nachzudenken, wie und warum bestimmte Dinge so gekommen sind, wie sie es sind, kann hingegen sinnvoll sein.
  24. Wie oft sagst du den wichtigen Menschen in deinem Leben (Partnerschaft, Familie, Freunde) anlasslos, was sie dir bedeuten?
    Zu wenig. Vielleicht zeige ich es mehr als es zu sagen, aber auch das wohl zu selten.
  25. Findest du, du könntest das öfter machen? Wenn ja, was hat dich bisher davon abgehalten?
    Ja, könnte ich. Wohl eine gewisse Introvertiertheit.
  26. Was denkst du über Sterbehilfe?
    Passiv auf jeden Fall, dafür sorgt eine vernünftig abgefasste Patientenverfügung. Aktiv prinzipiell auch, aber ausgesprochen beschränkt und nicht nach einem belgischen oder niederländischen Modell.
  27. Gäbe es Szenarien, bei denen du dir so etwas für dich vorstellen könntest?
    Ja, aber sehr unwahrscheinlich.
  28. Wenn sich ein dir nahestehender Mensch für Sterbehilfe entscheiden würde, könntest du das verstehen? Und verzeihen?
    Ja.
  29. Gab es schon einmal eine Situation in deinem Leben, in der du dachtest “jetzt sterbe ich”? Hat dich das verändert?
    Ja und ja.
  30. Was für eine Art Sterben wünschst du dir?
    Gewaltfrei, ohne Atemnot, die ich aus eigener Erfahrung für schlimmer zu ertragen finde als Schmerzen, möglichst schmerzfrei, angstfrei.
  31. Was denkst du über Hospize?
    Sehr sinnvolle Einrichtungen. Falls ich absehbar nicht mehr lange zu leben habe, würde ich für die letzte Zeit ein Hospiz für mich als bevorzugte Option sehen.
  32. Könntest du dir vorstellen, Menschen in einem Hospiz ehrenamtlich zu begleiten? Wenn ja: Was interessiert dich hier besonders? Wenn nein: Was schreckt dich ab?
    Vorstellen könnte ich es mir und würde es gerne tun. Ein anderes Ehrenamt, das damit entfernt verwandt ist, übe ich ja aus.
  33. Welcher Promi-Todesfall hat dich besonders betroffen?
    Auch da möchte ich kein Ranking aufstellen. Da ich selbst die 60 überschritten habe, kommen „die Einschläge immer näher“, und es sterben logischerweise immer mehr mehr oder weniger prominente Personen, die mich in meiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit begleitet haben und mir etwas bedeuten oder bedeutet haben. Von denen macht mich jeder einzelne betroffen.
  34. Gab es in Filmen mal Szenen, wo du dachtest: Das ist ein schöner Tod?
    Kann sein, im Moment ist mir keine direkt erinnerlich.
  35. Wenn du nach dem Tod ein Geist wärst: Wen würdest du heimsuchen? Jemanden den du magst, um ihm noch einmal nahe zu sein oder eher jemandem, an dem du dich rächen möchtest?
    Eher als eine Art Engel, Schutzengel.
  36. Was soll auf deinem Grabstein stehen?
    Das ist mir genauso wie die Art und Weise meines Begräbnisses ziemlich egal.
  37. Wärst du gerne unsterblich?
    Die Vorstellung hat einen Reiz. Es wäre aber vermutlich schon bald eine ziemliche Last.
  38. Welche drei Gegenstände würdest du gerne mit ins Grab nehmen wollen?
    Ich möchte nichts mit ins Grab nehmen.
  39. Wobei fühlst du dich besonders lebendig?
    Wenn ich merke, dass das was ich an anderen und für andere tue und sage, wirksam und hilfreich ist.
  40. Und was macht dich glücklich?
    Das wechselt. Aus jeden Fall das, was als Antwort auf die vorhergehende Frage steht.
    Manchmal auch durchaus Materielles, zum Beispiel, wenn ich mir für eine Weile keine existenziellen Sorgen machen muss, was nicht oft vorkommt. Ob ich mit sehr viel Geld glücklicher wäre, weiß ich nicht. Könnte auch sein, dass nicht.
    Katzen machen mich auch glücklich, zum Beispiel der Kater, der gerade auf meinem Schoß Platz genommen hat.

 

 

Depression ist

14 Jan

wenn Gefühle verloren gehen, positive wie negative. Die positiven meist eher als die negativen.

Genauer geht eigentlich die Fähigkeit verloren zu fühlen, wirklich und echt zu fühlen. Sich wirklich zu freuen, aber auch vielleicht zu trauern, also zum Beispiel auch weinen zu können.

Die Fähigkeit zur Freude an Dingen, Tätigkeiten oder Ereignissen, zum Genuss verschwand als erstes. Nicht völlig vielleicht, aber weitgehend und in wirklich schlimmen Phasen ganz. Dabei ist zumindest mir dabei rational völlig klar, dass dies Gelegenheiten sind, bei denen ich früher große Freude und Genuss empfunden hätte und ich mich frage, warum das gerade jetzt nicht so sein kann. dabei kann es sich um alltägliche oder auch sehr außergewöhnliche Anlässe handeln.

Wie das ist, wenn die Freude auch bei einem an sich unglaublich positiven Geschehen ausbleibt und wie schön, wenn sie dann doch mal wirklich spürbar wird, hatte ich schon mal beschrieben.Der Verlust beschränkt sich aber eben nicht nur auf Freude, es ist ein genereller Verlust an der Fähigkeit – intensiv und selbst – zu fühlen. Nicht unbedingt ein Verlust von Empathie, die hat aber nicht nur mit dem eigentlichen Fühlen zu tun sondern auch mit rationalem nachvollziehen des Erlebens anderer, hat ein wenig mehr Abstand zu mir.

Gestern nun durfte ich ein anderes Gefühl wieder erleben. Tiefe Trauer und (Mit)Betroffenheit. In den letzten Jahren fiel es mir zunehmend schwerer wirkliche Trauer zu empfinden, am ehesten noch über den Verlust der Fähigkeit intensiv zu fühlen. Verluste waren bedauerlich, klar. Aber es war ebenfalls eher eine rationale Angelegenheit. Das begann im Rückblick mit dem Tod meiner Mutter vor mittlerweile über drei Jahren. Wirklich bewegt war ich nur kurze Momente.

Gestern war das anders. Vielleicht war es die Wahrnehmung Teil einer wirklich großen Gemeinschaft rund um die Welt zu sein. Es war eine memorial/tribute Veranstaltung für Mike Taylor, die live gestreamt wurde. Vielleicht war es, weil ich mich persönlich dem Verstorbenen so nahe gefühlt hatte. Ich weiß es nicht. Ich wurde selten, auch in meinem „alten Leben“ so bewegt wie von dieser Veranstaltung. Ich konnte weinen, nach ziemlich langer Zeit einmal wieder. Ich habe nicht oft in meinem Leben geweint. So traurig der Anlass war, es fühlte sich heilsam an und als ein gutes Gefühl intensiv zu fühlen, was ich lange nicht mehr hatte. Und noch hält es an, und immer noch fühlt es sich gut an.

750 Stunden

9 Jan

waren es ungefähr in 2018. Gemeint ist mein Ehrenamt als gleichberechtigter Mitvorstand mit drei weiteren Menschen und formal Bundesvorsitzender eines Krebsselbsthilfeverbandes.

Weil ich wissen wollte, wieviel da zusammenkommt hatte ich ab Mitte Februar die Zeiten erfasst, die mit diesem Amt verbracht habe und dann aufs Jahr hoch gerechnet. Das ist einerseits eine noch überschaubare Zahl, andererseits für jemanden, der als einzelkämpfender Selbständiger und psychisch nicht sehr Gesunder noch irgendwie für seinen Lebensunterhalt und, zumindest in Teilen, den seiner Familie sorgen muss, nicht ganz einfach mit dem Restleben unter einen Hut zu bringen. Ich wurde schon gefragt, warum ich mir das, als auch von Depression Betroffener, denn zusätzlich auflade. Die Antwort ist: Es ist ein Stück weit auch Therapie, so anstrengend es manchmal sein mag.

Wiederum ein anderer Aspekt ist, dass dieser Einsatz eigentlich für ein solches Amt noch nicht ausreicht. Eigentlich wäre es, wenn sehr ernsthaft betrieben, mehr oder weniger ein Vollzeitjob. Eigentlich bräuchte es „reiche Rentner“ in diesen ehrenamtlichen Positionen. Nur sind diese erstens nicht wirklich häufig zu finden, denn Krebserkrankungen sind mittlerweile in den meisten Fällen kein Todesurteil mehr und viele Betroffene können und wollen nach erfolgreicher Therapie wieder beruflich aktiv sein. Viele müssen es auch, weil sie sonst wirtschaftlich tief in das nicht wirklich dichte soziale Netz fallen würden, als Selbständige gleich gar. Und zweitens betrifft Krebs zwar vielfach ältere Menschen aber eben auch junge, mitten im Leben stehende, die von einer Betroffenenorganisation auch repräsentiert und vertreten sein müssen, eben nach Möglichkeit auch in leitenden Funktionen.

Für junge Menschen im Berufsleben, die vielleicht gerade auch eine Familie gründen, ist das kaum machbar, besonders nicht, wenn man sich noch in einer wirtschaftlich prekären Situation befindet, die sich oft als Folge einer solchen Erkrankung ergibt.

Ehrenamt muss selbstverständlich Ehrenamt bleiben. Eine „normale“ Entlohnung kann nicht die Lösung sein. Andererseits muss gesellschaftliches Engagement, auch in leitender Funktion, die ja in der Öffentlichkeit mit einiger Anerkennung verbunden ist, auch Menschen möglich sein, die nur über begrenzte Ressourcen an Geld und/oder Zeit verfügen. Ehrenamt und ehrenamtliches Engagement muss neu gedacht werden, wenn Vorstände von Vereinen und Verbänden nicht nur aus reichen Rentnern bestehen sondern für die von ihnen vertretenen Gemeinschaften repräsentativ sein sollen.

Für mich wäre eine lohnenswerte Überlegung auch ein großzügig bemessenes bedingungsloses Grundeinkommen. Da könnte m.E. viel Engagement und Kreativität freisetzen und böte auch Gelegenheit sich auszuprobieren. Auch wenn dies allein sicher nicht die Lösung sein wird.