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Tatze ist tot

11 Jun

Er ist gestern am späten Abend zuhause gestorben. Mein Philosoph, Tröster, Lehrer.

Es ist für mich noch sehr schwer zu begreifen. Ich will nicht, dass es so ist, ich werde es aber akzeptieren müssen. Es wird eine Weile dauern, bis ich es kann.

Alles daran ist ungerecht und unverdient. Das fängt mit seinem Beginn an, als vernachlässigtes, sehr krankes Katzenkind mit ca. 9 Wochen von einem Bauernhof geholt. Lange in Quarantäne mit Luna als einziger Gefährtin gepflegt und aufgepäppelt worden, endlich mit ihr zusammen von uns aufgenommen. Mit zweieinhalb bei einem (Auto?)unfall oder ggf. auch einem gewalttätigen Angriff schwer verletzt und fast gestorben, mit zwei aufwändigen und gefährlichen Eingriffen gerettet, gekämpft, wieder gesund und kräftig geworden.  Ein friedliebender von allen als lieb und einfach nur gut bezeichneter Kater, der selbst aktiv keine andere katze angegriffen hat, holt sich mit großer Sicherheit bei einem Streit mit einer anderen Katze dieses Mistvirus, das gar nicht zur Erkrankung führen muss aber ausgerechnet bei ihm, dem jungen Seelentier, ausbricht und gleich die Form mit dem schlimmsten, schnellsten und hoffnungslosesten Verlauf auslöst.

Der Kater, der mir soviel gegeben hat, mein Therapeut, der mich einiges gelehrt hat und das selbst im Tod noch tut, indem er so tiefe Gefühle auslöst, mich weinen und trauern lässt, Gefühle, die mir die Depression zwischenzeitlich fast vollständig geraubt hatte, und die jetzt unendlich weh tun.

Ich weiß noch nicht, was ich ohne Dich tun soll. Es wird schwer, sehr schwer. Danke für alles, Tatze, Kurti, Ron, mein starker Bär.

Manches hab ich Dir schon zu Lebzeiten gesagt, gottseidank, einiges werde ich Dir noch sagen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

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Tatze schwindet

9 Jun

Mein Seelenkater und der beste Therapeut, den ich hatte, schwindet langsam und wird uns verlassen.

Es tut so weh!

Und es wirft mich beinahe um.

Das ist so ungerecht. Dieser Kämpfer, der sich nach dem Unfall und der notwendigen schweren und risikoreichen OP wieder ins Leben zurück gekämpft hatte und für 5 Monate wieder der alte geworden war, wird an akuter Leukämie sterben.

Mit fünfeinhalb Monaten noch negativ auf FeLV gestestet muss er sich draußen bei einer anderen Katze, vermutlich bei einem Streit, angesteckt haben, und leider ist ausgerechnet bei ihm die Krankheit auch ausgebrochen und hat ein Lymphom, noch dazu das mit der schlechtesten Prognose, infaust, ausgelöst.

Er wurde ausdrücklich als geimpfter Freigänger vermittelt. Ich wusste nicht, dass FeLV wegen des etwas höheren Impfrisikos nicht zu den Standardimpfungen zählt aber für Freigänger in Umgebungen mit vielen anderen Katzen trotzdem empfehlenswert ist, sonst wäre er auf jeden Fall geimpft worden. Nun ist es zu spät und es gibt keine Hilfe mehr.

Luna, seine Freundin, die uns mit ihm zusammen vermittelt wurde, ist gottseidank noch negativ und jetzt auch geimpft.

Er wird von Tag zu Tag schwächer und immer weniger. Schmerzen oder Atemnot leidet er offenbar nicht. So besteht Hoffnung, dass er wie unsere anderen Katzen zuvor zuhause sterben kann, mit gerade mal 3 Jahren.

Ich weiß, dass es komisch kommen mag in dieser Situation von Kosten zu reden. Ich würde wer weiß was geben, wenn ich ihn retten könnte. Aber ich kann es nicht, und die Tierarztkosten fallen trotzdem an, auch wenn die Kosten der OP im letzten November noch längst nicht komplett bezahlt sind. Und diese Kosten von mittlerweile insgesamt knapp 4000€ drücken uns die Luft ab.

Deshalb seht mir nach wenn ich die Spendenaktion auf leetchi nochmal veröffentliche. https://www.leetchi.com/c/luft-fuer-tatze

#notjustsad

Depression ist

14 Jan

wenn Gefühle verloren gehen, positive wie negative. Die positiven meist eher als die negativen.

Genauer geht eigentlich die Fähigkeit verloren zu fühlen, wirklich und echt zu fühlen. Sich wirklich zu freuen, aber auch vielleicht zu trauern, also zum Beispiel auch weinen zu können.

Die Fähigkeit zur Freude an Dingen, Tätigkeiten oder Ereignissen, zum Genuss verschwand als erstes. Nicht völlig vielleicht, aber weitgehend und in wirklich schlimmen Phasen ganz. Dabei ist zumindest mir dabei rational völlig klar, dass dies Gelegenheiten sind, bei denen ich früher große Freude und Genuss empfunden hätte und ich mich frage, warum das gerade jetzt nicht so sein kann. dabei kann es sich um alltägliche oder auch sehr außergewöhnliche Anlässe handeln.

Wie das ist, wenn die Freude auch bei einem an sich unglaublich positiven Geschehen ausbleibt und wie schön, wenn sie dann doch mal wirklich spürbar wird, hatte ich schon mal beschrieben.Der Verlust beschränkt sich aber eben nicht nur auf Freude, es ist ein genereller Verlust an der Fähigkeit – intensiv und selbst – zu fühlen. Nicht unbedingt ein Verlust von Empathie, die hat aber nicht nur mit dem eigentlichen Fühlen zu tun sondern auch mit rationalem nachvollziehen des Erlebens anderer, hat ein wenig mehr Abstand zu mir.

Gestern nun durfte ich ein anderes Gefühl wieder erleben. Tiefe Trauer und (Mit)Betroffenheit. In den letzten Jahren fiel es mir zunehmend schwerer wirkliche Trauer zu empfinden, am ehesten noch über den Verlust der Fähigkeit intensiv zu fühlen. Verluste waren bedauerlich, klar. Aber es war ebenfalls eher eine rationale Angelegenheit. Das begann im Rückblick mit dem Tod meiner Mutter vor mittlerweile über drei Jahren. Wirklich bewegt war ich nur kurze Momente.

Gestern war das anders. Vielleicht war es die Wahrnehmung Teil einer wirklich großen Gemeinschaft rund um die Welt zu sein. Es war eine memorial/tribute Veranstaltung für Mike Taylor, die live gestreamt wurde. Vielleicht war es, weil ich mich persönlich dem Verstorbenen so nahe gefühlt hatte. Ich weiß es nicht. Ich wurde selten, auch in meinem „alten Leben“ so bewegt wie von dieser Veranstaltung. Ich konnte weinen, nach ziemlich langer Zeit einmal wieder. Ich habe nicht oft in meinem Leben geweint. So traurig der Anlass war, es fühlte sich heilsam an und als ein gutes Gefühl intensiv zu fühlen, was ich lange nicht mehr hatte. Und noch hält es an, und immer noch fühlt es sich gut an.

Beard Guy

8 Jan

Mike Taylor ist verstorben. Vor ein paar Tagen schon. Auch aber nicht nur Keyboarder bei Walk off The Earth, deren Fan ich bin. Er wird schwer zu ersetzen sein. Er war der „introvertierte Introvertierte“. Man wartete bei jedem Video auf seinen Auftritt, und er machte das ganze rund.

Ein paar wenige Solos von ihm sind zu finden, ein paar Weihnachtslieder …

Hat er gefühlt, dass er gehen würde? Die Band wusste offenbar im Vorfeld von nichts. Die Bandmitglieder schrieben, er sei in der Nacht an einer natürlichen Ursache verstorben. Mike hinterlässt zwei Kinder.

Es gibt so viele Videos mit denkwürdigen Auftritten von ihm, manche nur wenige Sekunden lang.

Stellvertretend diese hier

Mir wird er sehr fehlen. Ich hätte ihn gern live gesehen, vielleicht hätte es in diesem Jahr in Deutschland geklappt. Er war mir irgendwie nahe.

Der letzte Song around the World mit Roger Ridley

11 Dez

Ich sehe gerade, dass es, obwohl ich diesen Blog schreibend völlig vernachlässige, offensichtlich immer noch hin und wieder ein paar Menschen gibt, die nachschauen, ob es hier etwas Neues gibt.

Das gab es lange nicht mehr, ich fühlte mich nicht danach und hatte nicht die Muße, weil es viele andere Baustellen gab, die bedient werden mussten und Zeit und kraft raubten.

Es gibt eine besondere letzte Aufnahme des von mir so geliebten Musikprojekts Playing for Change zu vermelden: Die letzte Aufnahme mit Roger Ridley und Grandpa Elliott zusammen. Roger Ridley ist verstorben. Grandpa Elliott ist noch dabei.

Trotz des traurigen Anlasses: Die Musik von Playing for Change hat immer etwas zutiefst Beruhigendes und Tröstendes für mich. Leider denkt man ja oft gerade in den Momenten, wo man das besonders bräuchte, nicht immer daran, dass es das auch noch gibt.

Hier also der letzte mit Roger Ridley, möge er in Frieden ruhen.

 

Gleichzeitig ist das Gelegenheit an einen der ersten Songs around the World mit Roger Ridley zu erinnern, inzwischen über 100 Mio mal aufgerufen.

Und schließlich der Song, den ich als ersten von Playing for Change gehört habe, ebenfalls mit Roger Ridley

Wegschauen

29 Jul

Sollte man vielleicht wirklich manchmal wegschauen angesichts der vielen Schreckensmeldungen, die auf uns einprasseln, wie der Titel des Artikles  „Mut zum Wegschauen“ in der SZ suggerieren könnte?

Kann man überhaupt wegschauen, den Wahnsinn um uns herum verdrängen? Ich vermute nein. Es dürfte mittlerweile illusorisch sein, sich von allen Nachrichtenkanälen abkoppeln zu wollen und einfach Augen und Ohren vor allem um einen herum zu verschließen. Das geht nicht, und es ist vermutlich auch kaum sinnvoll. Wirklich wegschauen und Weghören meint der Artikel aber auch nicht. Noch nicht mal ignorieren meint er, denn auch das ist schwierig bis unmöglich und auch gar nicht sinnvoll. Wenn in meiner Nähe ein Polizeiwagen mit Lautsprecherdurchsage vorbeifährt und mir bedeutet, ich solle in den nächsten Stunden wegen einer Gefahrenlage besser zuhause bleiben, dann ist das sehr sinnvoll diese Aufforderung nicht zu ignorieren sondern in der Regel besser sie zu befolgen und auf weitere Nachrichten zu warten.

Was gemeint ist, ist wohl eher, sich nicht von einer allgemeinen Panik anstecken zu lassen, nicht Ängste bei sich schüren zu lassen, nicht in Aktionismus oder auch Rückzug zu verfallen – und vielleicht auch nicht unbedingt bei jeder Meldung sofort in den Chor der Betroffenen laut einzustimmen, wenn man selbst nicht wirklich betroffen ist. Letztere Aufforderung kann man leicht falsch verstehen und als Herzlosigkeit auslegen. Wenn man ehrlich betroffen ist, wenn man ehrliche Empathie empfindet, dann kann uns darf man diese natürlich zum Ausdruck bringen. Aber man muss nicht pro Forma, weil es eben grad alle so machen, in den großen Chor mit einstimmen, Profilbilder umfärben, „pray for …“ – Memes verteilen, wenn es einen nicht wirklich intensiv betroffen hat. Es ist nicht herzlos, das sein zu lassen und auch nicht pietätlos, in der Stadt wo vor zwei Tagen ein Anschlag geschah wieder „normal“ zu leben und etwas zu tun, was einem Spaß und Entspannung bringt, grillen, ausgehen ect. Es bringt keinem etwas in eine allgemeine Paranoia zu verfallen und aus irrationalen Ängsten öffentliche Veranstaltungen, Bahnhöfe, Flughäfen oder sonstwas zu meiden, am wenigsten denen, die zu Opfern geworden sind. Derer kann man gedenken, selbstverständlich, man sollte sie aber auch nicht instrumentalisieren, wie das immer wieder und praktisch in Sekunden nach einem solchen Ereignis geschieht. Wo wir helfen und nützlich sein können, sollten wir das tun. Des Voyeurimus sollten wir uns enthalten. Dazu gehört auch aus meiner Sicht, dass man nicht begierig jede einzelne Nachricht, die oft genug doch zunächst nur Spekulation ist sofort aufsaugen und vor uns selbst und anderen bewerten. Ich muss zugeben, dass mir das oft auch nicht spontan gelingt, dass ich mich dazu auch erst selbst zur Ordnung rufen muss. Man kann das aber üben.

Das Risiko, Opfer eines Terroranschlages oder auch eines Amoklaufes zu werden ist, selbst wenn sich diese noch erheblich vermehren sollten, gegenüber den ganz alltäglichen Risiken für Leib und Leben, denen wir uns völlig selbstverständlich ohne mit der Wimper zu zucken jeden Tag aussetzen, verschwindend gering. Genau diese irrationale Angst, diese vermeintliche Ohnmacht (die in vieler anderer Hinscht viel realer ist als gerade bei den Anschlägen), die sich ausbreitende Paranoia ist ja das, was zumindest die Terroristen bezwecken, und womit sie ganz offensichtlich recht erfolgreich sind, wenn ich die vielen Äußerungen zur Angst aus meiner Umgebung  bedenke. In der Zeit zwischen den 70ern und 90ern kamen in Deutschland im Durchschnitt pro Jahre doppelt so viele Menschen durch Terroranschläge ums Leben wie in den Jahren danach bis heute. Amokläufe gab es zu jeder Zeit, über die Opferzahlen habe ich keine konkreten Informationen, ich glaube aber nicht, dass sie früher wesentlich unter den heutigen lagen. Es ist um eine vielfaches wahrscheinlicher an seinem Esssen zu ersticken als Opfer eines Anschlages zu werden. Das Essen stellen wir ja auch nicht deshalb ein, weil es die sehr geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dabei ums Leben zu kommen, warum dann die groteske Angst vor Terroranschlägen, bei denen die Wahrscheinlichkeit zum Opfer zu werden noch viel geringer ist? Das Risiko Opfer zu werden ist selbst dann noch viel geringer, wenn die Anschläge noch deutlich zunehmen sollten.

Wir sollten gelassener mit den Geschehnissen umgehen, uns informieren wie groß, bzw. wie winzig klein die Risiken im Vergleich zu anderen sind. Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber und nützt niemandem außer den Tätern. Gelâzenheit auch im Eckhartschen Sinne, Gleichgültigkeit anstreben nicht im negativen Sinn als Wegschauen, sondern die Dinge und Geschehnisse gleich gültig sein zu lassen, sie gelten zu lassen so, wie sie nun einmal geschehen sind und sich nicht rückgängig machen lassen.

Ein letzter Pfotenabdruck hat sich still und leise im Novembernebel verloren

27 Nov

hat es ihre gute Freundin treffend formuliert.

Die Chaoskatze ist heute morgen eingeschlafen und wird von nun an ewig weiter schlafen.

Ihr letzter Pfotenabdruck mag sich heute verloren haben. Ihre Spuren werden sich sicher nicht so schnell verlieren, nicht in den Köpfen und Herzen derjenigen, die ihre Geschichte verfolgt haben, und wohl schon gar nicht derjenigen, die sie persönlich kannten, zu denen ich leider nicht mehr zählen konnte.

Ihren Blog habe ich über Jahre verfolgt, und sie ist mir auf besondere Weise nahe gewesen. Ihr Umgang mit einer Erkrankung, von der schon lange feststand, dass sie sie eines nicht zu fernen Tages umbringen würde, ist beispielhaft dafür, wie aufrecht man das tun kann, ohne sich aufzugeben. Ich möchte nicht von Kampf reden, ich mag dieses Wort in einem solchen Zusammenhang nicht, sie hat es meines Wissens auch selbst nicht benutzt. Aber sie ist ihren Weg stets mit erhobenen Haupt gegangen. Sicher so speziell kein Weg für jeden, aber sehr bedenkenswert. Sie hat mich vieles gelehrt, und das dürfte vielen anderen ebenso gegangen sein, und dafür bin ich ihr dankbar. Nicht viele hinterlassen in einem viel längeren Leben so tiefe Eindrücke.

Ich hoffe, Ihre Geschichte wird uns erhalten bleiben, zum Nachlesen für die, die sich mit ihr verbunden fühlten, und zum Entdecken für andere, vielleicht auch als Anregung für den Umgang mit einer ähnlichen Lage.

Ihr Tod erfüllt mich mit großer Trauer. Dass sie friedlich und zuletzt ohne großes Leid gehen durfte, ist ein kleiner Trost. Ich denke an ihre Angehörigen, die, die ihr persönlich nahe standen, und die vielen anderen, die sich ihr verbunden fühlten und fühlen. Ich wünsche ihnen Kraft und Trost.

Wenn es einen  Katzenhimmel mit Metalbands und Motorrädern gibt, wird sie genau dort sein.