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Bist Du eigentlich schwerhörig?

27 Jun

Pflegte mich meine Mutter als Kind zu fragen, wenn ich partout ihre Wünsche ignorierte. Ich selbst hatte mich das in letzter Zeit auch immer öfter gefragt.

Wenn ich beim Fernsehen alles oder zumindest das Meiste verstehen wollte, musst die Lautstärke so hoch eingestellt werden, dass es meiner Familie zu laut wurde, insbesondere, wenn es um das gesprochene Wort ging.

Bei Feiern mit mehreren Leuten und/oder Nebengeräuschen hatte ich große Mühe noch meine Gesprächspartner zu verstehen, wenn ich ihnen nicht unmittelbar gegenüber und in allernächster Nähe saß. Bei stärkeren Nebengeräuschen verstand ich kaum noch etwas. Dabei hatte ich zu meiner Jugendzeit ein überdurchschnittlich gutes Gehör, und war auch nicht unbedingt der große Diskogänger gewesen oder hatte mich sonst größeren Lärmbelastungen ausgesetzt.

Nachdem die regelmäßige Säuberung der Gehörgänge durch den Arzt auch nur noch mäßigen Erfolg hatte, brachten Hörtests zutage, dass mir im oberen Drittel des Frequenzgangs ein Teil des Hörvermögens abhanden gekommen ist, zwar noch nicht in dramatischem Ausmaß, aber doch so, dass vor allem der Sprachhörtest schon ein erheblich vermindertes Sprachverständnis ergab. Der HNO-Arzt legte mir daher nahe, mich mit dem Gedanken an Hörgeräte anzufreunden und stellte auch gleich eine Verordnung aus.

Mit dieser begab ich mich zum Akustiker meines Vertrauens, der vorher auch schon der Optiker meines Vertrauens war. Und nun probiere ich gerade das erste Paar Hörgeräte aus. Untere Mittelklasse, mehr wird nicht finanzierbar sein. Die Kassengeräte sind für mich unbrauchbar, da sie gleichmäßig den gesamten Frequenzgang verstärken, ich aber im Bereich der niedrigen Frequenzen normal höre und deshalb den niederfrequenten Lärm unverhältnismäßig stark verstärkt bekäme. Hörgeräte stellen für mich kein Problem dar, ich kenne das aus meiner Familie, Eltern und Großeltern waren allesamt Hörgeräteträger. Das Gefühl im Ohr ist jeden Morgen gewöhnungsbedürftig, aber schon am 2. Tag spürte ich die Geräte nach einer halben Stunde so gut wie nicht mehr.

Dafür hatte ich völlig neue Hörerlebnisse. Langsam dämmerte mir und ich erinnerte mich daran, was ich früher einemal alles gehört hatte und vor allem wie deutlich ich das gehört hatte und nun wieder hörte. Das Rauschen und Knacken von Blättern im leisen Wind, Vogelstimmen klar und deutlich und vor allem konnte ich auch in größerer Runde und mit Hintergrundgeräuschen Gesprächen wieder ohne größere Mühe folgen. Nach einer Woche, wurde die Einstellung nochmal angepasst und ich trage die Geräte jetzt in der 2. Woche. Noch weitere Optimierung ist sicher möglich. Ich möchte jedoch noch mindestens ein weiteres Paar eines anderen Herstellers aus der gleichen Preisklasse ausprobieren bevor ich mich entscheide. Die Geräte sollen mich schließlich die nächsten Jahre begleiten und genug Spielraum bieten, um weitere Verschlechterungen auszugleichen.

Ich bin erstaunt, warum viele Leute, auch mit klar größerem Hörverlust als ich so große Probleme bei der Entscheidung für Hörgeräte haben.  Die Geräte sind kaum spürbar und sichtbar, der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen, die Unterhaltskosten von ca. 5 ,- EUR/Monat werden zwar unverschämterweise nicht von den Kassen übernommen, aber sind ebenfalls gerade noch bezahlbar. Das aber, was ich an Hörerlebnis gewonnen habe, schon in dieser Preisklasse, ist kaum bezahlbar und lässt ahnen, was mit wirkliche hightec-Geräten möglich wäre, die allerdings mit Zuzahlungen jenseits von 2000,- EUR vollkommen außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten liegen.

Für mich steht fest, ich werde zukünftig Hörgeräte tragen. Es muss nur noch die Entscheidung fallen, welche in meiner Preisklasse am besten zu mir passen.

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